Am 03. und 04.11. fand in Hamburg das Agenturcamp 2016 statt, das von Hans-Gerhard Kühn und Jan Theofel organisiert wurde.

Das Agenturcamp ist ein recht junges Barcamp-Format, welches sich an Inhaber und Entscheider in Agenturen wendet. Es fand in Dammtor im 13. Stock des InterCityHotels in edler Location mit einen atemberaubenden Ausblick über Hamburg statt. Im Oktober gab es das Camp bereits in München. Für 2017 sind Düsseldorf und Berlin als Austragungsorte geplant.

Der 13. Stock des Intercity Hotels bietet einen atemberaubenden Ausblick über Hamburg
Der 13. Stock des Intercity Hotels bietet einen atemberaubenden Ausblick über Hamburg

Die Themen Unternehmenskultur, Mitarbeiter-Motivation und Optimierung von Prozessen beschäftigen mich zur Zeit sehr stark. Den Tipp für das Camp bekam ich kurzfristig in der vorigen Woche und war sofort Feuer und Flamme.

Barcamp 2.0?

In den letzten drei Jahren habe ich an mir selbst ein gewisse Barcamp-Müdigkeit festgestellt und – mit Ausnahme einschlägiger Drupal-Camps – kaum noch Camps besucht.

Der Gedanke der Barcamps bedeutet, dass die Veranstaltung als "Unconference" organisiert wird:

  • das Session-Programm entsteht adhoc aus dem Kreis der Teilnehmer,
  • alle Teilnehmer sollen sich aktiv einbringen, um den Austausch zu fördern und
  • das Camp soll für die Teilnehmer kostenlos sein.

Die beiden Punkte eins und zwei waren gegeben. Punkt drei jedoch deutlich nicht: Auch wenn viele Camps wegen der "No Show Rate" inzwischen zu einer niedrigen Teilnehmergebühr übergegangen sind, hat sich das Agenturcamp durch seinen Preis – 275 EUR für beide Tage – und dem Zeitpunkt – beide Arbeitstage innerhalb der Woche – deutlich von "normalen" Barcamps abgehoben, die entweder vollständig oder wenigstens mit einem Tag am Wochenende stattfinden.

Jedoch hatte ich den Eindruck, dass dies der Qualität des Camps eher zuträglich war. Der der Location geschuldete vergleichsweise hohe Preis und die Tatsache, dass sich die TeilnehmerInnen (Arbeits-) Zeit nehmen müssen, hat m.E. dazu geführt, dass in der Summe zwar weniger TeilnehmerInnen gekommen sind – dafür jedoch alle sehr engagiert und motiviert waren.

Fokussiertere Themen-Barcamps – wie z.B. das neue Agenturcamp – empfinde ich als deutlich attraktiver
Fokussiertere Themen-Barcamps – wie z.B. das neue Agenturcamp – empfinde ich als deutlich attraktiver

Erfreulicherweise kannte ich vorher kaum andere Teilnehmer und habe viele interessante Menschen aus verschiedensten Bereichen kennen gelernt. Wie auf allen guten Camps war die Atmosphäre von Vertrauen und Wohlwollen getragen und die Teilnehmer haben sich gegenseitig nicht als Wettbewerber erlebt. Im Gegenteil kam es in den Sessions zu einem sehr offenen Erfahrungsaustausch über die verschiedenen Herausforderungen in Agenturen.

Müllvermeidung in Online-Projekten

Die wohl beeindruckendste Session hat Sven Ditz, einer der Geschäftsführer von SiteGeist, gleich zu Beginn im großen Raum gehalten. Im Sessionpitch hat er den Talk sehr vollmundig mit der Behauptung angekündigt, dass seine Projekte besser, schneller und preiswerter verlaufen als die Projekte aller anwesenden Teilnehmer.

Warum? Weil er konsequent allen "Waste" weglässt: Es gibt keine Verträge, Angebote und Pflichten- oder Lastenhefte. Beim Kunden gehen sie kleinschrittig und sogar ohne Beauftragung in Vorleistung und arbeiten – vereinfacht gesagt – so lange für einen Kunden, bis dieser nicht mehr zahlen möchte. Seit er so vorgeht, verdient die Agentur mehr Geld als je zuvor.

Bei der Auswahl der umzusetzenden Features achten sie streng auf Geschäftswert. Alles, was "nice to have" ist, landet zunächst auf der "Ponyhof-Liste". Wenn der Kunde am Ende auf die Umsetzung dieser Features weiterhin Wert legen sollte, können sie umgesetzt werden. Ansonsten kann das Projekt auch früher launchen.

Durch dieses Vorgehen reduziert sich die Breite der Kunden über kurz oder lang nur noch auf Beziehungen, die tatsächlich zur Agentur passen.

Einen vergleichbaren Ansatz "The Blitz" hatte Thorsten Siefert letztes Jahr von der Drupalcon Los Angeles mitgebracht. Die Session danach habe ich ausfallen lassen um mich mit Sven weiter über Projekterfahrungen auszutauschen. Mit seiner Agentur verfolgt er einen sehr radikalen Ansatz, über den ich in den letzten Tagen noch viel nachgedacht habe.

Wer mehr darüber erfahren möchte, http://www.derkuehn.de/podcasts/ohne-waste-re-a-l-statt-pitch-vertraege-...

Eigene Sessions

Auf dem Camp habe ich zwei Sessions rund um agiles Projekt-Management gehalten, die sich hier im Blog befinden:

Auf dem Hamburger Agenturcamp gab es fünf Räume, in denen Sessions parallel stattfanden
Auf dem Hamburger Agenturcamp gab es fünf Räume, in denen Sessions parallel stattfanden

Nach dem Barcamp ist vor dem Barcamp

In der kommenden Woche wird das allgemeine Hamburger Barcamp stattfinden. Dort kann ich herausfinden, was es mit meiner oben geschilderte Barcampmüdigkeit auf sich. Hat das Niveau der größeren Barcamps in den letzten Jahren abgenommen oder stellen die kleinen Themen-Barcamps aufgrund ihrer Fokussierung die für mich attraktiveren Veranstaltungen dar?

P.S.: Der Freitag ist erfahrungsgemäß der "bessere" Tag der Hamburger Barcamps.

Nach dem Camp ist vor dem Camp: Das nächste Barcamp wird am 11. und 12.11. in Hamburg stattfinden.
Nach dem Camp ist vor dem Camp: Das nächste Barcamp wird am 11. und 12.11. in Hamburg stattfinden.