Am Wochenende vom 24. Februar zum 26. Februar 2017 nahm ich am Northern Lights Camp Reykjavik teil und hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, Island kennen zu lernen.

Da viele Teilnehmer von außerhalb der Insel - aus den USA und vom europäischen Festland – erwartet wurden, hatten die Veranstalter am Freitag einen Sightseeing-Tag als Netzwerk-Event vorgesehen, bei dem sich die Teilnehmer gegenseitig, Case-Studies zu Drupal und natürlich auch die beeindruckende Insel selbst kennen lernen konnten. Es gab knapp 100 Teilnehmer, von denen 75% auswärtig waren.

Für Samstag und Sonntag war Session Programm rund um Drupal vorgesehen. Jedoch habe ich schnell beobachten können, dass die Entscheidungen auf Island vom Wetter und nicht von dem Menschen getroffen werden. Isländer gleichen dies durch Improvisations- und Organisiationsgabe aus.

Am Freitag machte uns ein extremer Sturm mit einer Spitzenwindstärke von 12 einen Strich durch die Rechnung. Eine vorgesehene Stadtführung fiel aus. Stattdessen haben sich die Teilnehmer im Konzerthaus Harpa getroffen, einem Konzert- und Konferenzhaus mit beeindruckender Architektur.

Nachmittags gab es eine Stunde Eislaufen und ab 17:00 Uhr einen Empfang mit dem Bürgermeister Reykjaviks im Rathaus, einem ebenfalls sehenswerten Gebäude. Bei seinem Auftritt stellte er sich als Nerd vor, der Drupal kennt und schätzt. Ausbildung ist ein wichtiges Thema für Reykjavik: derzeit gibt es mehr Projekte, als Dienstleister und Freelancer bewältigen können.

Der Bürgermeister von Reykjavik kennt und schätzt Drupal, das vielfach für Behörden-Websites eingesetzt wird.
Der Bürgermeister von Reykjavik kennt und schätzt Drupal, das vielfach für Behörden-Websites eingesetzt wird.

"Beteiligt euch": Keynote von Jóhanna Bergmann

Passenderweise dazu hat Jóhanna Bergmann in ihrer Keynote zu Partizipation aufgerufen. Die gebürtige Isländerin, die später nach Texas auswanderte und dort u.a. für die Drupal Association gearbeitet hat, kümmert sich heute bei Amazee.io um das Marketing.

Bergmann stellte Möglichkeiten vor, Kinder und Jugendliche an Programmierung heranzuführen, indem sie z.B. Dinge rund um Spiele wie Mindcraft oder Software zur Steuerung von Drohnen entwickeln.

Sie betonte außerdem, dass Drupal eine enorm kooperative und offene Community ist, die jedoch auch darauf angewiesen ist, dass sich dieser Prozess weiterhin fortsetzt.

Neben dem "normalen" Marketing, das Firmen üblicherweise leisten, lebt Drupal immer noch von einer Art Graswurzelbewegung: Neue Mitglieder werden häufig über lokale Aktivitäten und Usergroups angesprochen. Daher ist es ist wichtig, Interessierte einzubeziehen und andere an den eigenen Erkenntnissen zu beteiligen. Die Offenheit der Drupal Community hat maßgeblich zu ihrem Erfolg beigetragen.

Möglichkeiten sich an Drupal zu beteiligen gibt es viele. Von den rund 850 im Drupal Marketplace geführten Unternehmen haben jedoch nur knapp drei Viertel eine Firmen-Mitgliedschaft in der Drupal Association. Entsprechend stehen den über 50.000 Contributoren, die durch Arbeiten am Core oder den Modulen mitarbeiten, nur rund 2.500 Einzelmitgliedschaften gegenüber.

Johanna Bergmann spricht über die Kultur des Teilens und apelliert an die Community, sich noch mehr einzubringen.
Johanna Bergmann spricht über die Kultur des Teilens und apelliert an die Community, sich noch mehr einzubringen.

Um weiterhin gute Öffentlichkeitsarbeit machen zu können, benötigt die Drupal Association Geld. Für die DrupalCon Wien wird es zum ersten Mal schmerzhafte Einschnitte geben: die Montags-Summits und -Trainings werden ausfallen und die Teilnehmer auf ihre lieb gewonnenen T-Shirts verzichten müssen.

Gerade Benutzer, die durch die Arbeit anderer profitieren und selbst noch kein Mitglied sind, sollten sich überlegen, Mitglied der Association zu werden. Die jährlichen Gebühren sind äußerst moderat.

Prototyp "Gitpal": Content Revisionierung auf Basis von Git

In seiner Session, die mir Rouven netterweise bereits Samstag abend auf der Party präsentiert hat, hat er am Sonntag eine Erweiterung der Revisionierung auf Basis von Git vorgestellt.

Bei jedem Speichern einer Entity Revision findet ein git-commit mit dem serialisierten JSON-Export des Inhalts statt. Dies erweitert die im Core von Drupal 8 eingebauten Content Revisionierung um phantastische Möglichkeiten:

  • Änderungen lassen sich feingranulierter nachvollziehen und selektiv zusammenführen. Merge-Konflikte lassen sich innerhalb einer Content-Entity aufzeigen und lösen.
  • Damit lassen sich redaktionelle Workflow und Content-Staging unterstützen: Content lässt sich per Git-push auf Live-Seiten deployen.
  • Content-Automatisationsprozesse wie z.B. automatische Rechtschreibprüfung lassen sich über Jenkins und git hooks implementieren.
  • Content lässt sich unabhängig von Formatierung und Markup der gesamten Seite speichern. Für Websites mit der Pflicht zur langjährigen Aufbewahrung ihres Contents ist das ein Traum...

Das Projekt sucht Co-Maintainer und steht derzeit als Sandbox-Prototype unter gitpal.org zur Verfügung.

Case Study: Besuch beim Isländischen Fernsehen

Zwischendurch gab es noch einen Besuch beim Isländischen Fernsehen, dessen Website ebenfalls mit Drupal gebaut wurde. Der Hauptentwickler hat die "Dos" and "Don't dos" aus seiner Sicht vorgestellt, die man bei einem Drupal Projekt beherzigen sollte.

Anschließend gab es in der Dachkantine des Senders ein Diner mit einer traumhaften 360°-Aussicht über Reykjavik.

Vom Isländischen Fernsehen gab es eine Session über deren Erfahrungen beim Umstieg auf bzw. dem Einsatz von Drupal.
Vom Isländischen Fernsehen gab es eine Session über deren Erfahrungen beim Umstieg auf bzw. dem Einsatz von Drupal.

Verschiedenes: Fakten über Island

  • Dank der vulkanischen Lage bzw. des Zusammentreffens der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatten verfügt das Land über Energie im Überfluss. Es gibt z.B. auf natürliche Weise beheizte Parkplätze, die Schneeschippen überflüssig machen, sowie Gewächshäuser, in denen mehr Gemüse gezogen wird, als auf der Insel benötigt wird.
  • Island ist sehr stolz auf seine moderne und freiheitliche Politik. Frauen gab es bereits früh in Spitzenpositionen, gleichgeschlechtliche Liebe wird nicht diskriminiert und Adoption ist auch einzelnen möglich. Der Frauenanteil bei diesem Camp lag erfreulicherweise bei rund 20%.
  • Englisch ist quasi zweite Landessprache.
  • Das Preisniveau ist sehr hoch. Für ein Stück Torte habe ich in einem Kaffee z.B. rund 12,50 EUR bezahlt.
  • Es gibt praktisch überall freies WLAN, selbst in den Bussen.
  • Es gibt viele ungewöhnliche Museen in Island, darunter ein Punk- und ein Penis-Museum.

Es gibt eine Menge außergewöhnlicher Museen in Reykjavik.
Es gibt eine Menge außergewöhnlicher Museen in Reykjavik.

Nordlichter habe ich jedoch nur auf Fotos anderer gesehen, die welche in echt gesehen haben...

@drupalviking hat den Fotobeweis geliefert, dass es in der Vergangenheit mindestens schon einmal  Nordlichter gegeben hat.
@drupalviking hat den Fotobeweis geliefert, dass es in der Vergangenheit mindestens schon einmal Nordlichter gegeben hat.