Am 25. und 26.11.16 hat in Lübeck das erste Barcamp das Licht der Welt erblickt. Am Freitag hatte ich die Gelegenheit daran teilzunehmen und habe eine Session zu Drupal angeboten.

Auf der Hinfahrt hatte ich mir überlegt, wie ich Drupal am besten vorstellen kann. Ein System, mit dem sich praktisch alles bauen lässt, weist leider die Schwäche auf, keine expliziten Usecases zu besitzen.

Eine Barcamp Session-Verwaltung in 45 Minuten mit Drupal

Insofern kam mir die Idee, eine Raum- und Session-Planung live und nur mit dem Drupal 8 Core zu bauen. In der Bahn hatte ich als Vorbereitung ein Drupal 8.2.3 mit Standardprofil installiert und mich vergewissert, dass 45 Minuten ausreichen um eine schlanke Applikation mit folgenden Anforderungen zu bauen:

  • Startseite, statisch
  • Inhaltstyp Raum (Title + Body)
  • Liste der Räume als View mit Link im Hauptmenü
  • Inhaltstyp Session (Title, Body, Zeitpunkt sowie Verknüpfung mit einem Raum)
  • Liste der Sessions als View mit Link im Hauptmenü

Als "Krönung" des Ganzen habe ich mit Views einen Block gebaut, der die Sessions anhand eines Raums filtert und diesen Block auf den Raum-Seiten mit ausgegeben: Jeder Raum zeigt seine Sessions anhand des Zeitpunkts aufsteigend sortiert an.

Den Teilnehmern habe ich erklärt, dass sie nicht erwarten können, das anschließend sofort selbst nachbauen zu können. Vielmehr ging es mir darum vorzuführen, wie sich in Drupal allein per Site-Building relationale Content-Modelle erstellen lassen und dass man dafür keine Zeile Code schreiben muss.

Zwischendurch hatten die Teilnehmer Gelegenheit Fragen zu stellen.

Das Feedback war positiv und ich hoffe, es ist mir gelungen, die frohe Kunde über Drupal ein Stück weiter verbreitet zu haben.

In nur 45 Minuten lässt sich mit Bordmitteln des Core von Drupal 8 eine Session-Planung für  Barcamps bauen.
In nur 45 Minuten lässt sich mit Bordmitteln des Core von Drupal 8 eine Session-Planung für Barcamps bauen.

Die Erfindung des "iBrötchens"

In einem sehr inspirierenden Highspeed Workshop "Lean Startup + Business Model Canvas" haben wir innerhalb von 45 Minuten unter der Leitung von Inga Wiele ein imaginäres Produkt entwickelt, indem wir uns dabei auf Personas fokussiert haben.

Zusammen mit zwei anderen Teilnehmern haben wir in einer Kleingruppe das "iBrötchen" für "Frank" entwickelt, eine gesunde Ernährungslösung für Personen mit wenig Zeit in Führungspositionen. Das iBrötchen ist gesund, kommt ohne schädlichen Verpackungsmüll aus und kann die Kleidung nicht vollkrümeln... Erstes Benutzer-Feedback werden wir uns auf Wochenmärkten einholen.

Auch wenn das iBrötchen ein reines Fantasiebrötchen bleiben wird, war es sehr interessant Produktentwicklung aus der Perspektive des "Design Thinkings" zu betrachten. Die Machbarkeit haben wir mithilfe der Methode "Business Model Canvas" überprüft.

Ein Leben in finanzieller Freiheit

Als neue Themen auf Barcamps habe ich Geldanlage und Rente entdeckt. Es gab eine interessante Session zum Thema "finanzielle Freiheit":

Wieviel Geld benötige ich zum Leben, wenn ichüberbordenden Konsum verzichte? Wieviel Geld muss ich einmalig verdient haben, um bei einer angenommenen Rendite zwischen vier bis sieben Prozent von Kapitalerträgen wie z.B. Zins, Aktien oder Miete leben zu können.

Dieser Ansatz stellt einen Gegenentwurf zur klassischen Berufskarriere dar: Schule / Ausbildung / Berufsleben / Rente ab 65 bis 70. Wie die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ermöglicht ein Leben in finanzieller Freiheit die Beschäftigung mit interessanten, aber möglicherweise eben nicht lukrativen Themen.

Gelungene Barcamp Premiere mit vielfältigen Themen

Als allgemeines Barcamp – d.h. keinen Focus auf ein bestimmtes Thema – gab es eine Menge unterschiedlicher Themen.

Wie konnte es in Großbritannien zum Brexit kommen? Eine Analyse von John Heaven mit interessanten Hintergrundinformationen.
Wie konnte es in Großbritannien zum Brexit kommen? Eine Analyse von John Heaven mit interessanten Hintergrundinformationen.

Als gebürtiger Brite hat John Heaven eine Analyse mit viel Hintergrundinformationen geliefert, wie es zum Brexit kommen konnte. Mir war z.B. nicht bekannt, dass Großbritannien wirtschaftlich dermaßen schwer unter den Folgen des zweiten Weltkriegs zu leiden hatte, dass bis in die 50er Jahre Essensmarken ausgegeben wurde.

Interessant war für mich auch, dass es seiner Einschätzung nach nie ein "Wir-Gefühl" mit Europa auf der Insel gegeben hat. Die Entscheidung für einen Beitritt in die – damals noch EG – war rein von wirtschaftlichem Kalkül getragen. Darum waren "die Briten" auch so stolz, der EU in Verhandlungen massive Zugeständnisse abgetrotzt zu haben.

Das Barcamp Lübeck war vollständig kostenlos und hatte leider mit den bekannten Folgen zu kämpfen: trotz rund 170 Voranmeldungen nahmen nur etwa 110 Personen teil.

Auch wenn das WLAN nicht die gesamte Zeit über stabil verfügbar war, war es ein erfolgreiches Camp eines motivierten Orga-Teams. In der Vorstellungsrunde zeigte sich, dass rund 50% der Teilnehmer erstmals auf einem Barcamp waren. Ich fand es schön, viele neue Gesichter zu sehen.

Der vollständige Sessionplan befindet sich hier.