Mein Name ist Lars Bo Jensen.

Ich bin vor einem guten Jahr in die Front-End-Entwicklung hier bei comm-press in Hamburg eingestiegen. Ich bin promovierter Literaturwissenschaftler, also milde ausgedrückt ein Quereinsteiger. Ich hatte bereits Erfahrungen in Programmierung, Drupal 7 und Online Marketing, musste aber einiges hinzu lernen, um in dieser Agentur meinen Beitrag leisten zu können. Nach einem Praktikum und anschließender Zeit als Trainee, bin ich seit dem Spätsommer 2016 ein richtiger Front-End-Entwickler und Teil des tollen Teams in Hamburg-Altona. Ich finde es großartig hier, comm-press bietet mir viel Raum für Weiterentwicklung und hochwertige Entwicklung an, und es macht mir einfach Spaß.

2017 möchte ich mich weiter entwicklen und insbesondere meine JavaScript-Skills ausbauen. Wir werden für unsere Projekte in Zukunft – neben einigen anderen Tools – verstärkt Web Components und PatternLab einsetzen.

Drupalcamp Århus 2017 - DOKK1

Kurzfristig habe ich mich für die Teilnahme am Drupal-Camp in Århus entschieden. Obwohl es in meiner Heimat stattgefunden hat, hatte ich vorher sehr geringe Kenntnisse über die Drupal-Community in Dänemark. Ich wusste, dass einige der größten dänischen Medien und Websites seit wenigen Jahren auf Drupal umgestiegen sind. Zum Beispiel die beiden größten Fernsehsender, Danmarks Radio und TV2, und mehrere Zeitungen. Mehrere Agenturen und Menschen, die damit zu tun gehabt haben, haben am Camp in Århus teilgenommen.

Meine bisher erste und einzige Erfahrung machte ich 2012, auf einem von comm-press gesponsertes Drupal-Camp auf dem Campingplatz am Allersee bei Wolfsburg: Ein Campingplatz mit drei Tipi-Zelten, vielen Entwicklern und regen Austausch. Tagsüber hat auch schon mal ein Tischtennistisch draußen als Großraumbüro fungiert.

DOKK1 - Ambiente

Århus war ein bisschen anders. Die Stadt ist die zweitgrößte Dänemarks und Europas Kultur-Hauptstadt 2017. Das Camp fand im DOKK1 statt, einem prächtigen Gebäude direkt am Wasser mitten in der Altstadt. Die Bibliothek des DOKK1 wurde kürzlich zur weltbesten öffentlichen Bibliothek gekürt. Hier sind Hintergründe zu finden und hier weitere Eindrücke. Komfortable Sitzplätze, Beamer/Leinwand, ausreichend Platz, angenehm und stilvoll - superbes Ambiente.

60 begeisterte Teilnehmern aus mehreren Ländern waren anwesend, Agenturen und Selbstständige, sowie Angestellte aus Bibliotheken, Kommunen und Verbänden. Die Atmosphäre war trotz der stylischen Umgebung entspannt, doch das Engagement war hoch. Es gab viele Diskussionen und anregenden Meinungsaustausch.

Das gebotene Programm mit Sessions, Workshops und Networking über zwei Tage war vielversprechend und bot relevantes für meinen Fachbereich, das Front-End. Meine kurzfristige Teilnahme war kein Problem: mein Team hat schnell für eine Vertretung gesorgt und mich dabei unterstützt, dass ich beim Camp dabei sein konnte.

Man weiß ja nie, wie gut und aufschlussreich Sessions oder Workshops sind, egal wie vielversprechend die Titel sein mögen. Doch dieses Camp hat mich nicht enttäuscht – im Gegenteil: In allen Sessions und Workshops, an denen ich teilnahm, war die Qualität hoch. Ich nehme eine Menge mit nach Hause: Motivation, Neugier, Inspiration, neues Wissen und neue Kontakte.

Über den Tellerrand

Die erste Session: Rethinking design gab die PhD (Doktorin) Marie Louise Juul Søndergaard, die MortenDK, ein Begriff in der Community – nicht nur in DK, der wegen Krankheit absagen musste, vertrat. Die Session war nicht Drupal-spezifisch, sondern setzte sich mit grundlegenden Design-Konzepten auseinander. Zum Beispiel damit, wie Nutzerflächen nicht einfach nur von Nutzern benutzt werden, sondern die Nutzer prägen, so dass man hier eher von einem Dialog oder von Kommunikation zwischen Mensch und Maschine sprechen kann. Ich habe es als sehr inspirierend empfunden, eine Session zu hören, die sich nicht zum Thema gemacht hatte, wie man bestimmte Probleme löst oder eine Gestaltung oder Konzept praktisch umsetzt, sondern zunächst einmal grundsätzlich die Frage stellt, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine verstanden werden soll.

Am zweiten Tag gab es eine andere Session aus der Welt der Forschung, ebenfalls mit Grundlagen und der Zukunft der Technologien befasst. Thema war Webstrates, siehe auch auf Github, also “biegsame” oder formbare Applikationen. Der Speaker baute innerhalb von 5 Minuten live während der Session eine Applikation (einen Einkaufszettel) mit CSS, HTML und JavaScript. Device-übergreifend, teilbar, benutzbar und eben veränderlich – man kann in Webstrates mit den erwähnten Grund-Web-Technologien zum Beispiel einem Editor Features hinzufügen und teilen. Dass besondere: Ein Redakteur/Entwickler kann ein Feature installieren, während die Applikation von Usern aktuell benutzt wird. Das neue Feature steht nach Abschluss der Installation den Usern einfach zur Verfügung. Die Technologie ist noch völlig unabgesichert gegen "alle böse Vorhaben", verspricht aber neue Arten von Zusammenarbeit und maßgeschneiderten Applikationen - alles mit Hilfe altbekannter Evergreens: HTML, CSS + JavaScript.

Ich habe die Beiträge aus der Welt der Forschung sehr geschätzt und möchte jedem Veranstalter empfehlen, ebenfalls solche Speaker derartiger Themenbereiche einzuladen. Wir haben sehr weit über den Tellerrand geschaut, so weit, dass wir den Tellerrand gar nicht mehr gesehen haben.

Konkretes Wissen

In einer weiteren Session "HTTPS - this time it is not optional" beschäftigte sich mit der Konklusion, dass nicht erst zukünftig, sondern bereits jetzt kein Weg an der Verwendung von sicheren Verbindungen mehr vorbei führt. Ich habe neue Aspekte zu meinem vorhanden Wissen erhalten.

Patternlab

In einem interessanten Patternlab-Workshop haben wir Patternlab installiert und dabei etwas über die Vorteile und der konkreten Implementation innerhalb des DOKK1 erfahren. Ja, die Århus Kommune setzt PatternLab ein. Des Weiteren haben wir beispielhaft eine nicht optimal organisierte Website analysiert und Elemente in Typen kategorisiert. Bei comm-press testen wir PatternLab bereits, so war die Session für mich eine gute praktische Übung. Es war auch interessant zu erfahren, wie bei DOKK1 PatternLab mit Drupal integriert wurde (ohne das PatternLab-Theme zu nutzen).

Am Samstag gab es einen Workshop zum Thema Front-End-Testing mit Behat und Backstop. Eine Übersicht zu diesem Thema findet sich hier. Wir setzen sowohl Behat, als auch Backstop bei comm-press bereits ein, so ich konnte im Workshop viel dazu beitragen. Ich habe aber auch etwas gelernt und mir während der Diskussion überlegt, wie wir die Tests anders bauen könnten, um unsere Komponente-Konzepten mit PatternLab und Web Components verbinden zu können.

Thema der letzten Session war SEO. Wie in meiner ersten Session behandelte auch diese weniger Drupal-Entwicklung im klassischen Sinne, sondern richtete sich an Jene, die Content Management Systeme einrichteten und Kunden beraten. Es wurde in der Session zum Beispiel besprochen und diskutiert welche SEO-Prioritäten zu setzen sind, ausserdem die entsprechenden Feldmassen des jeweiligen CMS-Systems sowie SEO-orientiertes Markup.

Lars Bo Jensen - Danish by nature

Von der „Neuen nordischen Küche“ haben wir leider nichts gehabt. Das Essen war eher international, einfach, aber ganz gut. Für einen Ticket-Preis – 100 dänische Kronen, etwa 13 Euro – war die Versorgung hervorragend und von der Menge her betrachtet reichlich. Am zweiten Tag gab es echte Hotdogs: mit dänischer Remoulade und (wahlfrei, es gab auch normalfarbige) roten Würstchen. Eigentlich eine furchtbare Speise, wenn man auf Gesundheit und Nahrungswert achtet. Schmecken tut es aber irgendwie. Nachher war die Stimmung sogar noch einen Tick besser.

Mange tak nochmals an meine Kollegen, an comm-press, an die Veranstalter und Sponsoren, an die Århus Kommune, die meine Teilnahme und das Camp ermöglicht haben, sowie an die fleißigen, allgegenwärtigen, aber scheinbar entspannten Pernille Thorsen og Signe Juul Thomsen, die auf Facebook und am Camp alles reibungslos organisiert haben und dabei so gute Laune verbreitet haben. Ich möchte das nächste Mal auf jeden Fall wieder dabei sein.

Lars Bo Jensen