Blick aus dem Büro der Drupal Association auf die Sponsorenhalle.

Wie lassen sich Schätzungen besser ermitteln?

Estimation - A science not an art

Eine gute Schätzung ist eine Schätzung, die mit 90 prozentiger Zuversicht getroffen wird. Eine Schätzung soll jedoch durchaus eine Schätzung bleiben und nicht versuchen, eine "Exaktizierung" zu sein.

Empirisch treffen Schätzungen, die mit 90% Zuversicht getroffen wurden, dennoch nur zu 30% ein. Insofern kann es durchaus Sinn ergeben, die Schätzung mit Faktor drei zu multiplizieren. Wohlgemerkt geht es hier nicht darum, die Preise inflationär zu erhöhen, sondern zu einer zuverlässige Schätzung zu gelangen, die z.B. Planungssicherheit für Anschlussprojekte bietet.

Empirische Daten belegen eindeutig, dass die Softwareindustrie ein Unterschätzungsproblem hat. Es fallen nicht etwa ein Drittel der Schätzung zu hoch, ein Drittel zu niedrig aus und die restlichen Projekte verlaufen in guter Näherung wie geschätzt. Man kann sich praktisch darauf verlassen, dass Projekte aufwändiger ausfallen, als vorher angenommen.

Insbesondere, wenn es sich abzeichnet, dass die ursprünglichen Schätzungen nicht zu halten sind, kommt es zu besonderem Aufwand für neue Schätzungsrunden sowie einer erhöhten Dichte an externen und internen Meetings. Nicht zuletzt können darauf Vertragsverhandlungen folgen. All dies stellt Aufwand dar, der dem eigentlichen Projekt verloren geht.

Um den schlussendlichen Projektaufwand realistischer zu ermitteln, empfiehlt John Nollin, Arbeiten für Installation, Updates, Deployment, Performance-Test und - Optimierung sowie Zeiten für Krankheit und Projekt-Übergaben im Fall von Urlaub oder Fortbildungsmaßnahmen – wie z.B. der Teilnahme an einer DrupalCon – großzügig einzuplanen.

John schlägt einige interessante Methoden vor, mit denen sich die Unschärfe aufgrund des sogenannten "cone of uncertainty" reduzieren lässt:

  • Training des Kunden mit konzeptionellen Drupal-Grundlagen und anschließende gemeinsame technische Grob-Konzeption.
  • Bei einem Relaunch eines bestehenden Projekte umfassende Audits durchführen, die die innere Architektur wie auch den zu erwartenden Migrationsaufwand betreffen.
  • Planung der Workflows und der Bedienführung.

Um den Prozess nicht unnötig zu verkomplizieren, sollten Schätzungen ansonsten methodisch so simpel wie möglich gehalten werden.

Als weiterführende Lektüre hat der das Buch "Software estimation" von Steve McConnell empfohlen, welches ich unserem Team unmittelbar im Anschluss bestellt habe.

Drupal 8 - comm-press - Ralf Hendel
Ready for drupal 8

Commerce in Drupal 8 bringt erhebliche Neuerungen.

Meet Commerce 2.x

Die Jungs und Mädels von den Commerceguys sind dabei, [Commerce](https://github.com/commerceguys/commerce in Drupal 8) komplett neu zu bauen. Hierfür gab es bereits einen initialen Sprint in Paris mit den Symfony2 Spezialisten rund um Fabien Potencier von SensioLabs.

Herausgekommen ist ein möglichst offenes System, das die Logik komplett über Rules in das System bringt und damit konfigurierbar hält. Sämtliche Listen werden mit Views erstellt und sind damit ebenfalls veränderbar, ohne dass der Code angefasst werden muss.

Zur jeweiligen Anforderungen an die unterschiedlichen Sprachen, Währungen und Steuersysteme wurden die Anpassungen in die folgenden Symfony-Komponenten ausgelagert, die sich dadurch auch von anderen Systemen nutzen lassen und tatsächlich bereits genutzt werden:

  • commerceguys/intl
  • commerceguys/pricing
  • commerceguys/addressing
  • commerceguys/zone
  • commerceguys/tax

Durch Verwendung der in Drupal 8 neu geschaffenen "Form Modes", einem Äquivalent der bestehenden "View-Modes" für Eingabeformulare, lassen sich mit dem neuen Commerce für Drupal 8 z.B. individuelle Checkout-Formen erstellen oder auch A/B-Tests realisieren.

An der Entwicklung einer generalüberholten Distribution "Kickstarter 2.0" wird bereits gearbeitet.

Alles in allem klingt das enorm vielversprechend! Es ist toll zu sehen, wie die Entwicklung von Commerce 2.x bereits von Beginn an die Plattform-Vorteile von Drupal 8 ausschöpft.

Wie lässt sich Mitarbeitern mehr Freiheit und Eigenverantwortlichkeit übertragen?

Creating a Culture of Empowerment

Die Session von Todd Nienkerk, einem der beiden Inhaber von "Four Kitchens" behandelte sich die Herstellung und Pflege einer Unternehmenskultur basierend auf Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Eigenverantwortung bedeutet für den Mitarbeiter, selbst darüber entscheiden zu können, wie und wann man etwas macht. Sie bedeutet sowohl Freiheit wie auch die Möglichkeit, Änderungen an Arbeiten, Prozessen etc. selbst herbeiführen zu können. Und nicht zuletzt bedeutet sie auch Verantwortlichkeit für die eigene (berufliche) Entwicklung: "Give people control over their destiny".

Alles ist Sprache

Ohne Sprache gibt es keine Gedanken. Mit Sprache haben wir die Möglichkeit, unsere Gedanken und damit auch unsere Wertschätzung zu verändern. Todd empfiehlt als Vorgesetzter grundsätzlich immer nur von "uns" und niemals von "mir" zu sprechen. Anstelle von "Angestellten" – bzw. schlimmer noch "meine Angestellten" – ist es viel besser von "Kollegen" oder "Team-Mitgliedern" zu sprechen.

Um Feedback von Mitarbeitern zu erhalten, soll man gezielt Fragen stellen, über die sie Nachdenken müssen, und aufmerksam zuhören. Wenn man Impulse erhalten möchte, ist Smalltalk kontraproduktiv. Zudem ist es uns im allgemeinen wichtiger gehört zu werden, als Recht zu behalten. Eine Aussage "Ich verstehe, was Du meinst - ich bin dennoch der Auffassung, dass ..." drückt Wertschätzung und Interesse aus. Mitarbeiter, die sich ernst genommen fühlen, werden sich wohler fühlen und besser mit dem Unternehmen und ihrer eigenen Arbeit identifizieren.

Eine mutige und hervorragende Aussage fand ich, dass man als Vorgesetzter keine Angst davor haben soll, Mitarbeiter einzustellen, die smarter und besser sind als man selbst.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Mitarbeiter kommen um eines Tages auch wieder zu gehen. Das ist ein natürlicher Vorgang. Mitarbeiter sollen sich im Unternehmen bestmöglich entwickeln können. Ihre Motivation zu bleiben, sollte darin bestehen, dass Ihnen die bestmögliche Firma geschaffen wird, für die man auch selbst gern arbeiten würde.

Mit Todd habe ich mich am Donnerstag noch auf seinem Stand über Recruiting und Mitarbeiter-Motivation unterhalten. Dabei habe ich ihn als eine offene, ruhige und beeindruckende Person erlebt.

Abschluss auf der Lullabot Party

Den Abend haben wir auf der siebten Lullabot Party im Hotel Figueroa ausklingen lassen. Das Hotel war im marrokanischen Stil eingerichtet und sehr gemütlich. Abends drängelten sich rund 200 Personen im Garten um den Pool und die Bar. Man musste etwas lauter sprechen um sich verstehen zu können, aber die Stimmung war toll!