Drupal Appstore

Drupal Appstore - Mehr Geld für alle oder Untergang der Community?

Zur Zeit kochen die Geister hoch in der Drupal Community. Auslöser des ganzen war die Ankündigung einer Session auf den Brüsseler Drupal Dev Days von Robert Douglass "Sell your code: Announcing the DroopyAppStore". Schnell hat sich der Hashtag #drupalappstore etabliert und viele Kommentare erhalten.

Wichtige Blog-Posts zu dem Thema sind:

Was ist ein App Store?

Apple hat mit seinem App Store eine Idee losgetreten und nach gut einer Milliarde Downloads muss man einfach anerkennen, dass diese Methode funktioniert. Dies ist allerdings für Handys gedacht und in Drupal muss man erst einmal klären was genau geschehen soll. Vielleicht sollen die Module von drupal.org verkauft werden. Vielleicht andere Module. Vielleicht Feature-Pakete oder Installationsprofile. Was genau in Roberts Session geschehen soll ist fraglich. Interessant ist, dass er "droopy" geschrieben hat und nicht Drupal, was auf Probleme bei der Verwendung der Marke "Drupal" hinweisen soll. Für Wordpress gibt es seit Kurzem einen App Store, der Module verkauft, die frei unter der GPL im Netz stehen. Diesen können Sie bitte per Google suchen, ich will dazu keinen Link setzen.

Genaueres gibt es zur Zeit nicht zu dem Thema und alles ist Theorie und viel Aufregung.

Chance

Man muss mit Open Source Geld verdienen können und Entwickler müssen für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Alles andere ist völlig absurd. Allerdings ist es auch so, dass wir in einer Art Symbiose arbeiten, wenn wir Open Source ernst nehmen und unser Wissen nicht zurückhalten. Das Wissen zu vermitteln wird uns keine Konkurrenz einbringen, sondern ist ein Nachweis für solide Arbeit und auch den Willen, sich selbst weiterzuentwickeln. Deshalb schult man sich in Drupal und sieht jedes gute Drupal-Projekt auch als Werbung für sich selbst.

Die Chance besteht darin mit der freiwilligen Arbeit Geld zu verdienen. Man steckt viele Manntage in ein Modul und stellt der der Gemeinde zur Verfügung, die mit diesem Modul indirekt oder vielleicht direkt Geld verdient. Aber von diesem Geld sieht man meist nichts. Man bekommt vielleicht Spenden, aber davon können keine Module entwickelt werden die Mannmonate verschlingen. Das Beste, was man von der Gemeinde bekommen kann, ist Zeit, und diese Zusammenarbeit funktioniert recht gut in Drupal, deckt aber keine Kosten.

Die Chance besteht also darin zu versuchen, einen Service anzubieten und über diesen regelmäßige Einkünfte aus seinen Modulen zu erzielen. Gerade bei kleineren Dingen, die schnell und direkt helfen, ist vielleicht die Hemmschwelle gering, 1,99 € zu bezahlen. Verkaufe ich das tausendmal im Monat, ist das eine ansehnliche Summe. Und von dieser gibt man dann einen Teil an eine gemeinnützige Stelle, wie die Drupal Association oder Drupal Initiative, und alle sind glücklich.

Im Allgemeinen verdient man aber mit Service Geld im Open-Source-Bereich. Wenn der Verkauf von Modulen vielleicht eine dumme Idee sind, da sie von vielen gemeinsam entwickelt werden, ist es vielleicht gut, einen Weg zu finden, ein Service Paket zu schnüren und dieses zu verkaufen. Hier ist die Rede von Drupal Features und Installationsprofilen. Ein Feature ist eine spezielle Drupal-Konfiguration, die z.B. eine Bildergalerie oder eine Terminverwaltung sein könnte. Ein Installationsprofil kann aus diversen Features bestehen und stellt eine komplette Drupal-Installation dar. Der Gedanke ist also eine spezielle Drupal-Version zu erstellen, die man sonst von Hand für jeden Kunden neu machen würde, und diese standardisiert zu verkaufen.

Untergang

Wem gehört der Drupal-Quelltext? Und wem der der über 7.000 Module? Dies kann man nicht eindeutig klären. Also ist auch nicht zu klären, wer genau das Geld für den Verkauf eines Moduls bekommt. Und die Module sind quelloffen. Selbst wenn nun ein Store käme und man neue Module schreiben müsste, könnte man sich einfach am vorhandenen bedienen und kopieren. Wer soll denn schon all die GPL-Verstöße überprüfen und gerichtlich verfolgen? Das wäre auch eine einzige Katastrophe für die Gemeinde, da damit jeder faire Umgang zu ende wäre. Joomla hat dies erlebt und es war eine einzige Katastrophe.

Sind also Features eine Lösung? Vielleicht sind sie das, wenn es nicht dazu führt, dass jeder allein seine eigenen Produkte herstellt und das Hauptprojekt trotzdem noch weiter im Fokus aller steht. Es könnte dazu führen, das sich quasi Forks bilden und die Community auseinander treibt. Und wie geht man damit dann um, wenn sich die Entwickler zweier Distributionen streiten und nicht zusammenarbeiten wollen? All diese Dinge werden große Unruhe, Neid und Angst in die Gemeinde bringen. “fear is the path to the dark side. fear leads to anger. anger leads to hate. hate leads to suffering. ~ yoda

Meine Meinung

Meine private Meinung zu der ganzen Geschichte ist eher gegen einen App Store, da ich einfach nicht weiß, wohin es führen soll, außer dass es die Gemeinde auseinander driften lässt. Ich habe auch ein Problem damit, wer den Shop betriebt. Wenn es z.B. die Drupal Association wäre, würde ich es so empfinden, als wenn Drupal nun zu Amerika gehört und sich weiter weg von Europa bewegt. Eine Firma wäre einfach nur ein schlechtes Zeichen. Und Acquia kann einfach nicht so dumm sein.

Ich habe mich allerdings noch nicht völlig dagegen entschieden, weil ich Robert Douglass für schlau halte und denke, dass er der Gemeinde irgendetwas mitteilen möchte, das Bedeutung hat. Das wird keine Werbeveranstaltung für den droopy Shop sein.

Wir alle sollten uns darauf konzentrieren, dass wir weit an Drupal arbeiten und uns nicht jetzt schon von Verteilungsängsten zu Grabenkämpfe bringen lassen. Einfach abwarten, was passiert. Drupal können wir auch morgen immer noch forken ;)

Kommentare

drupal lover - 22. Mai 2011 - 0:42
openscoure oder eben net.. das ecosystem ist der vorteil von drupal und wenn robert meint, das ein appstore sinn macht, hat er openscource noch nicht richtig verstanden. ich bin echt enttäuscht von ihm weil ich dachte er würde auch ein echter openscource verfechter sein. leider sehe ich immer häufiger" $ augen" bei einigen drupaler, was mir gegen den strich geht. wo wären wir ohne gpl ? drupal hätte sich nie soweit entwickelt! was passiert wenn man module kostenpflichtig anbietet, man schliesst einige aus und das ist es was mich stört. drupal rockt weil es openscource ist. bitte nicht ändern dries... es wäre der untergang des ecosystem drupal. es wäre ein verrat an der community. warum kann die wertschätzung nicht auf freiwilligen basis gesehen. so wie bisher..donate und gut... so hat dries auch angefangen. wenn das projekt gut ist gibts auch die wertwschätzung aber nicht vorher, das wäre dann proprietären software, kauf die katze im sag mist. ich werde drupal nicht mehr weiterverfolgen sollte es diesen weg einschlagen. ich hoffe robert oder wer auch immer dahinter steckt (acquia) kommt zu besinnung. we are drupal....
glycid - 17. Februar 2011 - 11:05
Ich bin mir da nicht so sicher, ob die Zahl derjenigen Drupal User wirklich zu klein ist, um einen entsprechenden App- Store zu etablieren. Die weltweite Verbreitung von Drupal wächst - zu Recht- rasant und so weit ich das einschätzen kann, wird Drupal auch sehr gerne im kommerziellen Bereich eingesetzt. So wie von mir. Ich nutze Drupal sehr gerne aufgrund seiner enormen Flexibilität, Funktionalität und Stabilität für meine verschiedenen Webprojekte, die sich direkt durch Werbeeinnahmen finanzieren. Bislang zahle ich jährlich den Organisation Member Betrag an Drupal und je nach Bedarf einen Themer für professionelle Layouts ggf. inklusive Modul- Entwicklung. Darüber hinaus wäre ich sofort bereit, auch für entsprechend qualitative Module zu zahlen. All die vielen Entwickler verdienen meiner Meinung nach finanzielle Wertschätzung und dies würde letztlich der Pflege und Weiterentwicklung vieler Module zuträglich sein. Drupal wäre für Leute wie mich selbst mit kostenpflichtigen Modulen im Vergleich zu Lösungen aus dem Systemhaus in puncto Leistungsfähigkeit / Kostenaufwand immer noch eine exzellente Partie, ist es doch technische Grundlage meines Geschäftsmodells. Andere, mir bekannte Internet- Unternehmer, die ebenfalls auf Drupal setzen, sehen das ähnlich. Vielleicht sollte man einfach mal einen Store für aufwändige "Premium" Module antesten.
Bericht von den... - 7. Februar 2011 - 16:42
[...] Für einen Überblick der Diskussion im Vorfeld empfehle ich den Beitrag von Karsten. [...]
Karsten Frohwein - 31. Januar 2011 - 11:04
<p>Ich kommentiere mich mal selbst, wegen einigen interessanten Neuigkeiten:</p><p>Dries war in Australien und hat das alles nicht so recht mitbekommen.&nbsp;Er schreibt, das ein&nbsp;Appstore wenig Sinn macht, da wir einfach nicht genug Abnehmer haben.&nbsp;Bei&nbsp;Apple und dem iPhone war es zB. wohl so, das der App Store viel später kam und dann schon eine große Basis hatte um die Apps auch zu verkaufen.&nbsp;Dieser Kommentar zeigt auch, auf welches Segment der Appstore zielen würde.</p><p>Neuer Blog Post:</p><p><a href="http://millwoodonline.co.uk/my-thoughts-on-the-drupal-app-store">http://millwoodonline.co.uk/my-thoughts-on-the-drupal-app-store</a></p><p>Gelobter Kommentar:</p><p><a href="http://www.angrydonuts.com/contributing-to-open-source#comment-3974">http://www.angrydonuts.com/contributing-to-open-source#comment-3974</a></p>