Praktisch unmittelbar im Anschluss an unsere Kroatien-Tour fand am Wochenende, dem 21. und 22. Oktober 2017, das DrupalCamp Schwerin statt.

Zu dem Camp im "Haus am See" fanden sich 85 Teilnehmer überwiegend aus Deutschland ein. Wie auch beim DrupalCamp Frankfurt drehte sich das Session-Programm schwerpunktmäßig um Thunder.

Nach dem Mittagessen habe ich am Samstag eine Session über den Veränderungsprozess bei comm-press gehalten "Bei uns wird's ohne mich erst schön". Über den Inhalt der Session werde ich in Kürze einen eigenen Blogpost veröffentlichen.

Thunder als das ausgereiftere Drupal?

Am Samstag hat Johannes Haseitl vorgestellt, "warum undpaul auf Thunder setzt". Es war spannend zu hören dass sich undpaul – wie wir aus exakt den gleichen Gründen – entschieden hat, Thunder als Basis in all ihren Projekten einzusetzen:

  • Ebenso wie bei uns, hat auch bei undpaul der Versuch nicht wie gewünscht funktioniert, Dinge so generisch zu entwickeln, dass sie sich in anderen Projekten weiterverwenden lassen.
  • Thunder stellt eine Basis Distribution dar, die einem bei Projektstart gefühlt 80% der Konfigurationsaufgaben abnimmt. Sie ist modular und ausbaufähig.

Wegen etwaiger Unverträglichkeiten von Updates hat Johannes empfohlen, dass Entwickler den Thunder Slack-Channel benutzen um auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Zeitersparnis durch den Einsatz von Thunder in einem Projekt schätzt er auf einen kompletten zweiwöchigen Sprint mit dem gesamten Team.

Johannes hat darauf hingewiesen, dass Thunder Contribution nicht nur bedeutet an Thunder mitzuarbeiten sondern auch bestehende zentrale Module wie Media und Paragraphs weiterzuentwickeln. Zur Zeit leistet MD-Systems in der Schweiz hervorragende Arbeit um Konzepte, Bedienoberflächen und Funktionalität von Paragraphs voranzutreiben.

Wie das aussehen kann, hat Daniel Bosen von Burda Media am Sonntag in seiner Session "Thunder Admin Theme: Wie wir uns ans Theming gewagt haben" erläutert:

Nachdem Thunder grundsätzlich stabil und gut funktioniert hat, hat das Core-Team verschiedene Nutzer bei Burda befragt, an welchen Stellen sie sich Verbesserung bei der Bedienung wünschen.

Das Feedback deckt sich überwiegend mit dem, was unsere Kunden uns berichtet haben:

  • zu viele Klicks beim Bearbeiten.
  • Speichern eines Artikels ist nur umständlich mit viel Scrollen möglich.
  • Es fehlt eine Vorschau für die verschiedenen Geräte (Handy, Tablet, Laptop)
  • Bei vielen Paragraphs – einige Landingpages enthalten bis zu fünfzig Elemente – kann das Speichern der Artikel bis zu 10 Sekunden dauern.
  • Neue Elemente lassen sich nur am Ende hinzufügen. Es ist umständlich sie nachträglich innerhalb des Artikels zu positionieren.
  • Das Umsortieren einzelner Paragraphs-Komponenten ist nur umständlich möglich.
  • Unterschiedliche Rahmen, Ausgaben von Meta-Inforamtionen und verschiedene Weißflächen erschweren ein intuitives Verständnis des Eingabeformulars.
  • Die Sidebar ist nicht optimal für die verschiedenen Geräte positioniert: Mobil befindet sie sich am Ende der Seite und ist schlecht erreichbar. Auf dem Desktop entsteht auf längeren Seiten unterhalb der Sidebar-Inhalte eine Menge ungenutzer Weißraum.

Als Antwort hat er das neue Admin-Theme vorgestellt, das mit einer Menge durchdachter Änderungen aufwartet:

  • Die Speichern-Leiste befindet sich fixiert am unteren Rand.
  • Sämtliche Paragraphs Meta-Informationen werden hinter einem Info-Icon versteckt und lassen sich auf Wunsch ausklappen.
  • Alle Paragraphs werden in einheitlicher Höhe dargestellt.
  • Die Bearbeitung einzelner Paragraph-Inhalte erfolgt komfortabel, indem der gesamte Bereich vollflächig verlinkt ist und sich auf Klick das Bearbeitungsformular öffnet.
  • Zwischen beliebigen Elementen lassen sich neue Paragraph-Komponenten einfügen. Die Auswahl der Komponenten erfolgt per Icon-Leiste.
  • Zur Sortierung der Komponenten innerhalb der Artikel gibt es die Möglichkeit für eine Mehrfachauswahl, mit der sich mehrere unzusammenhängende Elemente markieren und an einer gewünschten Position ablegen lassen.
  • Auf dem Desktop wird die Sidebar am rechten Rand versteckt und lässt sich einfahren.

An weiteren Features sind in nächster Zeit geplant:

  • Einbindung eines Zeichen-Zählers.
  • Einbindung des Yoast SEO Checkers.
  • Der Media-Browser wird bei der Auswahl von Bildern in der Sidebar anstatt per Overlay eingeblendet.
  • Inhalte und Bilder der Media-Library werden von der Search API indiziert und gesucht.
  • Entwürfe ("Drafts") von Artikeln werden unterstützt, sobald Workflow in den Drupal Core kommt.
  • Die Vorschau unterstützt sämtliche Gerätetypen. Mit Hilfe des Contrib-Moduls "Responsive Preview" wird am oberen Rand eine Select-Box mit den Geräte-Typen dargestellt, welches die jeweilige Darstellung als Overview rendert.

Ich habe inzwischen den Eindruck, dass sich Thunder als das reifere Drupal zum Quasi-Standard für komplexe Content-Portale entwickeln wird. Auch wir werden bei unseren Projekten in Zukunft auf Thunder setzen und unsere Module, die wir in diesem Zusammenhang entwickelt haben, Open Source an die Community zurückgeben.

Am Ende hat Daniel Werbung für den Thunderday gemacht, der am 20.11. in Hamburg stattfinden wird.

Webseiten ohne Augenlicht betrachtet

Eine vollkommende andere Perspektive auf Web-Entwicklung hat Dennis Westphal, ein blinder Nutzer, ermöglicht. In seiner Session "Blindes Vertrauen und warum es Entwicklern gegenüber fehl am Platz ist" hat er den Teilnehmern Schlafmasken zur Verfügung gestellt und über Lautsprecher und Braille Leiste vorgeführt, wie sich eine Seite vorlesen lässt.

Um sich auf Websites zurechtfinden zu können, ist besonders für blinde Menschen eine plausible Überschriften-Struktur wichtig.

Ich fand es beeindruckend, in welcher Geschwindigkeit er sich Websites per Screenreader vorlesen lässt. Meines Erachtens entsprach das der doppelten Sprechgeschwindigkeit, in der sich Menschen normalerweise unterhalten.

Besonders beeindruckend war es, als er uns hat Werbung vorlesen lassen. Mangels sinnvoller Meta-Informationen bleiben einem Screenreader nur die parametrisierten URLs mit – für Nicht-Maschinen sinnlosen und nicht enden wollenden Zahlenkolonnen.

Danke an die Drupal-Usergroup Mecklenburg-Vorpommern

Der Veranstaltungsort am See war toll und bot den Teilnehmern ein hochwertiges Catering im Haus. Nach dem Drupal Day Rostock im Jahr 2011 hat die Drupal-Usergroup Mecklenburg-Vorpommern wieder ein tolles Event organisiert.