Das Frankfurter DrupalCamp begann am Freitag informell mit einem netten Come-Together im "O'Reilly's", einem irischen Pub im Bahnhofsviertel.

Das "Thunder Camp"

Mit Blick auf die aktuelle Drupal Verlags-Distribution "Thunder" gab einen Themen-Schwerpunkt "Media / Verlage". Als Agentur, die sich jahrelang auf die Erstellung von Content-Portalen für Verlage fokussiert hat, war diese Ausrichtung für uns selbstverständlich hochinteressant.

In zwei Sessions haben Julia Pradel und Christian Fritsch den aktuellen Stand der Thunder Distribution vorgestellt. Seit dem letzten mir bekannten Stand von vor einem Jahr lässt sich sowohl am Umfang der Features als auch an der Gestaltung der Eingabe-Oberflächen eine Menge Entwicklung ablesen.

Features von Thunder 2.0

Als Dienstleister für Verlage sollte man Thunder 2.0 auf jeden Fall im Repertoire haben.
Als Dienstleister für Verlage sollte man Thunder 2.0 auf jeden Fall im Repertoire haben.

In seiner Session "Adapting Drupal for specific industries – News from Thunder" hat Christian die Features der neuen 2.0 Version vorgestellt, aus denen ich einige herausgreifen und kurz vorstellen möchte:

  • Responsive Theme Preview unterstützt eine angepasste Vorschau auf Node Erstellungs- und Bearbeitungsformularen. Derzeit handelt es sich jedoch noch nicht um eine echte Vorschau: derzeit wird noch der Zustand mit dem aktuell in der Datenbank gespeicherten Stand der Node angezeigt.
  • Access unpublished ermöglicht die Erstellung von Tokens mit einer bestimmten Lebensdauer, um anonymen Benutzern den Zugriff auf unveröffentlichte Nodes zu gestatten. Die universellere Freigabe sämtlicher Entity-Typen wird mit dem Entity Publish Interface mit einer der nächsten Versionen kommen.
  • Riddle Marketplace für Persönlichkeitstests, Umfragen und mehr, die auf riddle.com gehostet und sich als Assets im Media Browser auswählen lassen.
  • Shariff Social Media Buttons Implementierung von Social Share Buttons, ohne die Privatsphäre der Besucher zu verletzen.
  • Responsive Instagrams Instagram Implementierung für das Media Entity Modul.
  • Diff-Integration
  • Accelerated Mobile Pages Einbindung der AMP Library
  • Liveblog

In der aktuellen Version 2.0 bringt Thunder eine Menge nützlicher Module mit.
In der aktuellen Version 2.0 bringt Thunder eine Menge nützlicher Module mit.

Die Eingabeoberflächen wirken aufgeräumt, indem sich u.a.

  • die Sidebar mit den Vertical Tabs responsive verhält,
  • die Feld-Beschreibungen hinter einem Icon versteckt werden und sich einblenden lassen,
  • die Paragraphs alle einheitlich hoch ausgespielt werden und sich mit weniger Klicks bedienen lassen und
  • es ein Widget für SEO-Titel gibt.

Als Location für das Social Event hatten sich die Veranstalter für das "Depot 1899" entschieden, eine gemütliche Kneipe in Sachsenhausen.
Als Location für das Social Event hatten sich die Veranstalter für das "Depot 1899" entschieden, eine gemütliche Kneipe in Sachsenhausen.

Kollaboration mit Thunder

Unabhängig von Thunder, das Anfang 2016 aus unserer Sicht noch nicht produktiv einsetzbar war, haben wir bei comm-press in unseren Drupal 8 Projekten eine Code-Basis geschaffen, die sehr viele Ähnlichkeiten zu Thunder aufweist. So setzen auch wir auf die flexible Content-Erstellung mit Paragraphs sowie die Einbindung der verschiedenen Paragraphs-Komponenten in Form wiederverwendbarer Module.

Im Rahmen unserer Projekte haben wir verschiedene Teaserlisten gebaut sowie eine Paginierungs-Komponente für Nodes, die Redakteuren Storytelling in Form mehrseitiger Artikel oder Klickstrecken ermöglicht. Bevor wir diese Module contributen können, müssen wir jedoch noch etwas Liebe in Refactoring, Testabdeckung und Dokumentation stecken. Für die entstehenden Aufwände haben wir für das laufende Jahr bereits "Zeit-Rückstellungen" eingeplant.

Für das Konfiguration-Management in Thunder Multisite-Projekten könnte unser Modul Nimbus interessant sein. Eine Beschreibung befindet sich hier.

Eine Menge Energie ist auch in die Gestaltung der Oberflächen geflossen, die sehr aufgeräumt wirken.
Eine Menge Energie ist auch in die Gestaltung der Oberflächen geflossen, die sehr aufgeräumt wirken.

Thunder Best Practice?

Aus meiner Sicht stellt Thunder eher eine Art "Drupal Framework" bzw. eine Komponenten-Sammlung dar als eine Distribution. Selbstverständlich lässt sich Thunder aber auch als komplette Distribution herunterladen und installieren. Dabei übernimmt man jedoch den vorgegebenen Feld-Umfang der mitgelieferten Node- und Media-Types. Als Agentur mit eigenen Best Practices möchte man vielleicht lieber einzelne Teile daraus in eigene Projekte übernehmen. Im Endeffekt bleibt das jedoch eine Geschmacksfrage. Auf jeden Fall bringt Thunder eine Menge hilfreicher Dinge – nicht zuletzt eine vorkonfigurierte Medien-Verwaltung – mit.

Thunder auf simplytest.me

Mit einem einfach Klick auf "Launch sandbox" lässt sich die aktuelle Thunder-Version 8.2.0-beta2 direkt auf simplytest.me installieren und testen.

... und sonst noch?

Da ich mich Ende letzten Jahres aus dem operativen Geschäft bei comm-press herausgezogen habe, haben mich eher die Sessions zu Marketing- und Business-Themen interessiert. Dennoch habe ich auch ein paar technisch orientierter Sessions besucht, aus denen ich die wieder einmal Erkenntnis mitgenommen habe, dass es eine Menge neuer Module und interessante Lösungsansätze gibt. "There's a module for this...".

Content-Versionierung mit GitPal

Rouven Volk hat seine Session zu Gitpal wiederholt, die er schon in Reykjavik gehalten hatte. Ich hatte bereits darüber berichtet hatte in Frankfurt aber die Gelegenheit, die Session vollständig zu erleben.

Rouvens Session zu Gitpal war auch in Frankfurt wieder gut besucht.
Rouvens Session zu Gitpal war auch in Frankfurt wieder gut besucht.

Erstellung von Dummy-Content ohne Datenbank-Transfer

Tobias Stöckler hat sehr interessante Ansätze über die Erstellung von "Default Content" vorgestellt. Mit den beiden Modulen Default Content and Migrate Default Content lässt sich auf lokalen Installation Content generieren ohne die Live-Datenbank übertragen zu müssen. Beide Module haben eine drush-Implementierung, unterscheiden sich jedoch stark hinsichtlich ihrer Features. "Default Content" ist momentan noch der stärker genutzte Ansatz, "Migrate Default Content" könnte jedoch trotz der etwas gewöhnungsbedürftigen Syntax in Zukunft eine komplexere Unterstützung bieten. Jedoch wird "Migrate Default Content" – da es auf das Migrate Framework aufsetzt – by design keine Export-Möglichkeit von bestehendem Content bieten.

Aus dem Zuhörerkreis kam der Hinweis auf das Modul Realistic Dummy Content, das auf "Devel" aufsetzt und ebenfalls eine drush-Unterstützung bietet.

Es wird sich also zeigen, welches Konzept sich auf Dauer durchsetzen wird.

klein aber fein

Mit 134 angemeldeten Teilnehmern und zwei parallelen Session-Sprints handelte es sich um ein eher kleineres Camp. Das hat dem Event jedoch keinen Abbruch getan. Neben interessanten Sessions nehme ich eine Menge Inspirationen aus den Gesprächen mit nach Hamburg.