comm-press: Your Drupal agency in Hamburg, Germany: Consulting, training, programming, service, webdesign and hosting

internationales DrupalCamp . DrupalCity Camp Berlin: Kaufempfehlung für Drupal – die Aktie ist unterbewertet.

von Ralf Hendel
am

Am Wochenende fand in Berlin das internationale DrupalCamp „Drupalcity“ mit rund 300 Teilnehmern statt, unter denen viele fleißige Helfer waren.

Wegen der starken Nachfrage hatten die Organisatoren für Freitagabend noch kurzfristig die C-Base reserviert, eine Location, in der sich die Berliner Drupal Usergroup früher regelmäßig getroffen hat.

Es war toll, Freitagabend in die C-Base zu kommen und all die freudigen Gesichter zu sehen! Es gab so viel zu bereden und Leute kennen zu lernen, die ich bisher nur über XING, Facebook und Twitter kannte. Und natürlich die guten Freunde zu treffen aus Berlin, Bremen, Freiburg, Hannover, Heidelberg, Ingolstadt und München. Ich wäre gern noch viel länger geblieben, musste aber kurz nach Mitternacht los.

Das Session Programm

Bei dem Camp standen viele interessante Sessions auf dem Programm. Wie bei einem Camp zu erwarten war, gab es mehr Sessions als auf einer DrupalCon, in denen "Insider-Wissen" geteilt wurde. Die Sessions hat Marco thematisch passend so arrangiert, dass es z.B. am Samstag eine "Panels-Line" gab und Sonntag vier aufeinanderfolgende Sessions zum Thema Deployment im Erdfisch-Raum stattgefunden haben.

Das halte ich für eine ausgezeichnete Idee. Wie auf jedem Camp hat man natürlich das Problem sich zerreißen zu wollen, weil attraktive Sessions parallel abgehalten werden. So war es möglich, sich auf ein Themengebiet zu fokussieren. Auch hatte ich den Eindruck, dass sich die Speaker vor ihren Sessions untereinander gut abgesprochen hatten. Es gab wenig thematische Überschneidungen – aber viele Sessions, die aufeinander abgestimmt waren.

Meine Session "Site-Building mit Panels"

Für das Berlin Camp hatte ich meine eigene Panels Session diesmal etwas anders aufgebaut als bisher. Zuerst habe ich kurz das Konzept hinter Panels erläutert: Panels überschreiben der Drupal Node-, User- Taxonomy-Seiten sowie individuelle Panels, die auf bestimmte URLs registriert werden. Und ich habe die Gründe vorgestellt, um derentwillen wir Panels so lieben: Panels unterstützt Rapid Prototyping und gibt uns die Möglichkeit, den Kunden mit minimalem Schulungsaufwand in die Lage versetzen zu können, die Inhalte seiner Seite eigenständig arrangieren zu können.

Anschließend habe ich anhand konkreter Beispiele aus zwei aktuellen Projekten swim.de (Drupal 6) und my-Entdecker (Drupal 7) gezeigt, wie sich die Einstellungen mit Panels und Views einrichten lassen. Reale und ansprechend gestaltete Beispiele sind erheblich mehr "sexy", als irgendwelche fiktiven Szenarien, die auf einem langweiligen Garland Theme vorgeführt werden.

Über das Feedback aus dem Publikum habe ich mich sehr gefreut. Viele sagten anschließend sich nun auch mit Panels beschäftigen zu wollen. Nur zu: Ihr werdet begeistert sein!

Live-Premiere von Daniel Wehners Usability-Patch

Daniel Wehner hatte mir am Freitagabend über eine bevorstehende Überraschung bei Panels erzählt. Näher wollte er sich dazu aber nicht äußern. Fünf Minuten vor meiner Session fragte er mich, ob ich kurz einen Patch von ihm einspielen und eine Verbesserung der Panels Oberfläche vorstellen könnte. Ich habe mich natürlich gefreut!

Mit dem Patch hat Daniel dieselbe Technik, die auch schon in Views 3 eingeflossen ist, auf die Inhaltsauswahl neuer Panel-Panes übertragen: Wie bei Views gibt es nun eine Eingabe mit automatischer Filterung, die die möglichen Panes per Ajax einschränkt. Das lange Suchen nach den passenden Pane-Inhalten ist damit Vergangenheit geworden.

Spontan-Ersatz für die ausgefallenen Drupal Commerce Session

Am Sonntag morgen meldete das Team den Ausfall der beiden Drupal Commerce Sessions. Andreas Doege, unser Auszubildender bei comm-press, hatte sich in den Wochen zuvor bereits mit Drupal Commerce beschäftigt und hat sich spontan bereit erklärt, eine Einführung in Drupal Commerce zu halten.

Respekt, Andreas!

Drupal Business Diskussionen allerorts

Neben den interessanten technischen Sessions gab es auch viele unterschiedliche Diskussionen zur Entwicklung der Business-Perspektiven und Vermarktung von Drupal.

So gab es als neues Format eine "Fishbowl-Diskussion" von Jutta Horstmann, in der unterschiedliche Thesen zu Drupal vorgestellt wurden. Unter anderem war dort zu hören, dass "die guten Drupaler" schnell von großen Agenturen, die selbst gar nicht auf Drupal spezialisiert sind, aufgekauft werden und dem Markt bzw. der Community auf diese Weise verloren gehen.

Am Sonntag fand sich spontan eine BOF über Tagessätze von Freelancern und Budgets zusammen. Die spannende Diskussion hat gezeigt, dass es einerseits eine nicht unerhebliche Anzahl an Freelancer gibt, die am Rande des Existenzminimums kämpfen, während andererseits manche Freelancer wie Koryphäen gehandelt werden und Ihnen die Projekte auf dem Silbertablett serviert werden.

Drupal hat ein Marketing Problem

Wenn nicht auf Drupal spezialisierte Agenturen den Markt "leer kaufen können", gelingt es ihnen offenbar besser, die Skills der Drupal-Cracks in ihrem Agentur-Kontext zu vermarkten, als wenn die Drupaler ihre Skills auf eigene Rechnung selbst an den Kunden bringen. Für die Agenturen bleibt offenbar noch eine signifikante Marge dabei übrig. Sonst würden sie es schwerlich tun.

Um als Drupal Dienstleister erfolgreich zu sein, setzen wir bei comm-press auf fortlaufenden Knowhow-Transfer innerhalb der Projekte und unserer Teams. So verteilen sich die Skills auf mehrere Köpfe und stehen im Team als kollektives Wissen zur Verfügung. Wir arbeiten gern mit externen Freelancern, da hierbei immer ein Austausch in beide Richtungen stattfindet. Auf diese Weise können wir in Spitzenzeiten schnell skalieren und größere Projekte auch unter Zeitdruck zuverlässig bewältigen.

Je größer ein Projekt ist, desto mehr gibt es daran zu verdienen. Meine Empfehlung in der Freelancer-Diskussion bestand darin, sich in Teams zusammen zu schließen und sich innerhalb der Teams zu spezialisieren. Über eine Spezialisierung besteht die Chance an größeren Projekten mitarbeiten zu können, aus denen auch wieder mehr Knowledge an den einzelnen zurück fließt. So sind in jüngster Zeit an einigen Stellen in Deutschland Firmen entstanden, die sich erfolgreich aus Freelancer Netzwerken gegründet haben.

Trotz aller Notsituationen sollte man sich bei allen Projekten immer den Auftraggeber genau anschauen. Traut man ihm nicht zu, sein Projekt wirtschaftlich erfolgreich betreiben zu können, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es spätestens bei Zahlung der Schlussrechnung zu erheblichen Konflikten kommt. Im Zweifel empfehle ich jedem, lieber ein Projekt nicht anzunehmen und die Zeit für Aufbau der eigenen Selbstständigkeit zu verwenden.

Dieses Marketing-Defizit betrifft nicht nur die Einzelkämpfer sondern ebenso den Außenauftritt der deutschen Community im Ganzen.

Ich habe mir von Teilnehmern erzählen lassen, wie begeistert sie von der Community sind. Wie offen und hilfsbereit sie aufgenommen werden. Dennoch laufen wir trotz unserer guten Software und der vielen schlauen Köpfe anderen Systemen in Punkto Außendarstellung meilenweit hinterher. Die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse dauern innerhalb der Community sehr lange und vollziehen sich schleppend. Dies ist verständlich vor dem Hintergrund, dass jede/r Aktive seine Freizeit dafür opfert oder aber seine/ihre Geschäftszeit investiert, die dann für Projektarbeit bzw. Erwerbstätigkeit nicht mehr zur Verfügung steht.

Aufwertung der Aktie "Drupal"

Um das abzustellen, wäre ich langfristig dafür, die Drupal-Initiative mit einem höheren Budget auszustatten, damit sie als Dienstleister der Community auftreten kann. Um Grabenkämpfe zu vermeiden, wer die schönste Drupal-Seite bauen kann und darf, könnten wir die Umsetzung der Drupal-Seite komplett neu an eine erfolgreiche Marketingagentur außerhalb der Drupal Community vergeben. Gern an unsere Freunde von TYPO3! Unsere Zielgruppe – Entscheider – wollen und werden den Quellcode sowieso nicht lesen. Da spielt es absolut keine Rolle, ob die Seite mit Wordpress, Drupal oder Joomla! gebaut ist.

In der Community kümmern sich ausgezeichnete Drupaler um das Konzept, aber auch um die Zielgruppen-Ansprache, Wording und die Gestaltung. Individuelles und visuell ansprechendes Webdesign ist im heutigen Markt wichtiger denn je. Darum erhält die Zusammenarbeit mit erfahrenen und spezialisierten Designern für uns einen neuen Stellenwert. Wir sollten ihr Knowhow in Anspruch nehmen, damit sie unser Knowhow gut in "Szene setzen".

Vor diesem Hintergrund möchte ich niemandem auf die Füße treten, der bislang unentgeltlichgute Mitarbeit geleistet hat. Dennoch halte ich es für effizienter, wenn diese guten Köpfe an ihrem eigenen und damit am Erfolg von Drupal weiter arbeiten um wirtschaftlich gut dazustehen. Auf dieser Basis scheinen die besten Aussichten dafür zu bestehen, dass die deutsche Community es sich leisten kann, ebenfalls drei Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich in Vollzeit um die Verbreitung und Vermarktung von Drupal kümmern. Andere Systeme machen uns vor, wie das geht. Wir können viel von ihnen lernen!

"Hey, Support-Team, wir brauchen einen Messestand für die CEBIT." – "OK, wird gemacht."

So wünsche ich es mir... Selbstverständlich bin ich mir darüber im Klaren, dass dies heute noch Wunschdenken ist. Um dorthin zu gelangen, benötigen wir aktive Teilnehmer innerhalb der Community, die diese Visionen gemeinsam weiter entwickeln und bereit sind, den langen Weg zu gehen.

The missing trouble camp...

Ein rundum gelungenes Camp, bei dem es nichts zu meckern gab!

Danke an die Orga und die vielen unermüdlichen Helfer und Helferinnen, die dafür gesorgt haben, dass alles gut lief.

  • In den Sessions war immer eine Person anwesend, die dem Speaker Support geleistet hat.
  • In den Räumen standen Getränke für die Speaker bereit.
  • Das WLAN war das robusteste Netz, dass ich je auf einer Drupal Veranstaltung erlebt habe.
  • Das Catering war klasse. In der Lounge gab es jederzeit ausreichend Essen und Getränke. Das ganze sogar all inclusive...

Danke auch an die Sponsoren, die das Camp in dieser Form ermöglicht haben. Es gab selbst bei schlechtestem Willen nichts an dem Camp auszusetzen. :-)

Und – last but not least – natürlich auch einen herzlichen Dank an Sven Culley, der während des gesamten Camps nicht nur unermüdlich Fotos geschossen hat, sondern diese auch noch professionell aufbereitet und der Community kostenlos zur Verfügung gestellt hat!

Das Gruppenfoto wurde von Christian Ziegler aufgenommen und auf Flickr online gestellt. Auch dafür herzlichen Dank!