Es gibt schon andere inhaltliche Berichte über die Konferenz, also werde ich nicht allzu detailliert auf die Vorträge eingehen. Beeindruckend war, dass alle Speaker aus dem Ausland (drei aus den USA und einer aus Großbritannien) für den Anlass nach Hamburg geholt wurden und somit frische Ideen in die Hansestadt bringen konnten. Und dass neue Ideen im Hackathon ausprobiert und vorgestellt wurden. Man konnte aus seinem bequemen Sessel sogar darüber abstimmen, welche am besten war. Aus den Anwendungen, die in den vorigen 24 Stunden zusammengestrickt wurden, konnte man sehen, dass Visualisierung von Daten, mobile Internetnutzung und Georeferenzierung auf jeden Fall wichtige Themen sind.

Die Vorträge

Charles Lewis beim ScoopCamp 2013
"The new journalism ecosystem and the future of truth": Charles Lewis, Gründer des Center for Public Integrity, beim ScoopCamp 2013
Charles Lewis, unter anderem Gründer des Center for Public Integrity, äußerte in seinem Vortrag "The New Journalism ecosystem and the future of truth" seine Sorgen darüber, dass aufwändiger investigativer Journalismus zunehmend auf der Strecke bleibt. Er hatte sogar über Jahrzehnte verglichen, wie viele Journalisten wie vielen PR-Menschen gegenüberstehen. Die PR-Menschen gewinnen, und das macht es schwieriger für die Journalisten, sich durch den, pardon, Bullshit durchzukämpfen.

Nicholas White, Gründer des DailyDot, beim ScoopCamp 2013
"What the Daily Dot tells us about the future of news": Nicholas White, Gründer des DailyDot, beim ScoopCamp 2013
Gründer des Daily Dot, Nicholas White, teilte seine Erfahrung, unter anderem, dass heutzutage gute Nachrichten auch eine gute Reichweite bekommen. (Vorher arbeiteten Journalisten nach der Faustregel: "If it bleeds, it leads".) Seine Botschaft war optimistisch: Obwohl Journalisten oft schwarz sehen, wollen mehr junge Leute Journalisten werden. Entweder sind sie naiv, oder sie wissen etwas, was die Journalisten nicht wissen ... und er möchte Letzteres glauben.

"Gamification: How to use the concept of decision-making to engage readers": Tomas Rawlings, Gründer von Auroch Digital beim ScoopCamp 2013 in Hamburg
"Gamification: How to use the concept of decision-making to engage readers": Tomas Rawlings, Gründer von Auroch Digital. Konkurrenten von News-Organisationen sind nicht mehr CNN oder BBC, sondern alle Medien, die auf einem iPad laufen
Tomas Rawlings, ein Landesmann von mir (wir haben später entdeckt, dass wir sogar in derselben Stadt aufgewachsen sind und als Kinder im selben Schwimmbad Schwimmunterricht hatten), hatte eine völlig neue Perspektive: Er stellt News Games her. Derzeit ziemlich experimentell, neben seinem gewinnbringenden Computerspiele-Geschäft, schafft er es, neue Zielgruppen zu erreichen, die sich sonst mit Themen wie dem Pferdefleischskandal oder dem syrischen Bürgerkrieg nicht auseinandersetzen würden. Aus seiner Sicht müssen Journalisten um die Aufmerksamkeit der Nutzer kämpfen, die leicht abgelenkt werden - schließlich sitzen sie vor einem Gerät, das viel mehr kann als nur Text darstellen, unter anderem nämlich Videospiele ausführen. Daher sind die Konkurrenten von News-Organisationen nicht mehr nur CNN, BBC oder ähnliches, sondern auch Computer-Spiele und alles, was ein iPad zu bieten hat. Deshalb die kurzfristige Änderung seines Präsi-Titels: "What are you doing with your CPU?".

"Supporting transformational innovation in news": Michael Maness, Knight Foundation beim ScoopCamp 2013
"Supporting transformational innovation in news": Michael Maness, Knight Foundation
Michael Maness, Head of Journalism and Media Innovation bei der Knight Foundation, hat den Tipp gegeben: die größte Nische für ein Thema finden und es umfassend bedienen. ("No Generalism! Find the largest niche community for your special topic and cover it deeply”).

Workshop - sind Communities mehr als Leserkommentare?

Nachmittags hat man sich für einen Workshop eingetragen und ich wählte Communities und Collaboration mit Ulrike Langer und Sebastian Horn. Bei diesem Workshop sind wir, ehrlich gesagt, nicht wirklich in die Puschen gekommen. Um die Hälfte der Teilnehmer waren Journalisten und die meisten schienen unter "Community" (nur) Leserkommentare verstanden zu haben und haben sich hauptsächlich darüber ausgetauscht: Wo positioniert man die Kommentare auf der Seite? Sollen Kommentare von anderen Teilnehmern bewertet werden? Kommentare vormoderieren oder nicht? ... und so weiter. Jenseits des Alltags eines Online-Journalisten oder Community-Managers hatten sie wenig diskutiert, mit neuen Gedanken wenig experimentiert, und somit leider den Anspruch des Workshops "Communities völlig neu zu denken" nicht erfüllt. Aber das war nicht schlimm. Die Location (Physikraum des Schulmuseums), die Verpflegung (leckere Macarons) und die Gespräche waren sehr gut.

Abendveranstaltung

Gleich danach ging es in den Platzhirsch für die Abendveranstaltung. Ich hatte eigentlich vor, nur kurz zu bleiben, da ich ziemlich müde war. Aber irgendwie bin ich doch geblieben, nachdem ich immer wieder mit den Referenten, Organisatoren und anderen Teilnehmern ins Gespräch gekommen bin. Und das war für mich der wahre Highlight der Veranstaltung.

Fazit: Die Konferenz war Inhaltlich sehr gut, gut organisiert, und ich hatte gute Gespräche mit den Referenten, Organisatoren und Teilnehmern. Ich muss mir gleich Visitenkarten nachbestellen!

Hier ein paar weitere Eindrücke des Scoop Camp 2013:

Meinolf Ellers, Geschäftsführer dpa-infocom, beim ScoopCamp 2013
Meinolf Ellers begrüßt die Gäste beim ScoopCamp 2013
Dr. Carsten Brosda, Leiter Amt Medien in der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg, beim ScoopCamp 2013
Dr. Carsten Brosda, Leiter Amt Medien in der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg
Theatersaal von Theater Schmidt beim ScoopCamp 2013 in Hamburg.
Der Saal im Theater Schmidt war die perfekte Location
Jochen Spangenberg, Moderator des ScoopCamp 2013 in Hamburg
Jochen Spangenberg, Moderator des ScoopCamp 2013 leitet die Präsentation des Hackathons ein.