Vor sechs Monaten habe ich meine Ausbildung als Entwickler bei comm-press begonnen. Die ersten vier Monate meiner Ausbildung habe ich in der Firma verbracht.

In der Firma

Die Arbeit der Angestellten bei comm-press unterteilt sich in unterschiedliche Aufgaben: Entwicklung, Gestaltung (Layout), Frontend Aufgaben, Backend Aufgaben, Projektmanagement, Consulting usw.

Bei comm-press gibt es zwei Teams, „Indigo“ und „Royal“, die jeweils für unterschiedliche Kunden arbeiten. Ich gehöre zum Team „Royal“.

Mein Arbeitstag hat acht Stunden und beginnt immer mit einem „Daily“. Im Daily treffen wir uns mit allen Kollegen und besprechen, wie weit wir mit unserer Arbeit am Vortag gekommen sind, ob und welche Probleme es gibt, ob man im Zeitplan ist usw.

Meine Aufgaben sind die Programmiersprachen PHP, MYSQL sowie das Content Management System Drupal zu lernen.

Auch HTML und CSS soll ich beherrschen – dass hatte ich bereits in meinem Studium in Syrien gelernt. Wegen des Krieges und meiner Flucht aus Syrien habe ich leider vieles davon vergessen. Daher habe ich mit diesen beiden Themen erneut angefangen.

Dafür habe ich nicht so lange gebraucht, da ich mich schnell an vieles wieder erinnern konnte. Als Nächstes hat mein Ausbilder begonnen, mir PHP beizubringen. Wir haben mit den Themen Variablen, Arrays und Funktionen von PHP angefangen.

Anschließend habe ich eine PHP-Aufgabe bekommen, die ich selbstständig bearbeiten soll: Das Spiel „Tic-Tac-Toe“ zu programmieren.

Die erste Zeit bei comm-press war anstrengend, weil mein Deutsch nicht so gut war. Manchmal habe ich alles verstanden und manchmal nicht so viel. Auch das Daily war schwierig für mich, da ich vieles nicht verstanden habe und manchmal unsicher war, wenn ich etwas in dem Meeting sagen wollte.

Aber es wird Tag für Tag besser.

In der Berufsschule

Im Juli hatte ich zum ersten Mal Berufsschule. Die Berufsschule heißt ITECH und befindet sich im Stadtteil Wilhelmsburg. Unter den IT-Berufen, die dort unterrichtet werden, gibt es verschiedene Ausbildungsgänge.

Mein Ausbildungsgang heißt Fachinformatiker/in und Anwendungsentwicklung. Während meiner dreijährigen Ausbildung besuche ich die ITECH ca. 14 Wochen pro Jahr im Blockuntericht. Meine Berufsschule arbeitet mit SkiL @ ITECH. SkiL steht für Selbstverantwortetes, kompetenzorientiertes, individualisiertes Lernen.

Ich habe jedes Jahr Blockuntericht. Jeder Block beinhaltet dabei verschiedene Module zu unterschiedlichen Themen. Zum Beispiel:

  • Anwendungsentwicklung
  • Wirtschaft und Gesellschaft
  • IT-Systeme

Die erste Woche meiner Berufsschulzeit war recht schwierig für mich, weil es für mich eine ganz neue Situation war. Auch in der Berufsschule habe ich sehr schnell gemerkt, daß ich unbedingt noch mehr Deutsch lernen muss, um den Unterricht besser zu verstehen und besser mitarbeiten zu können.

Leider gibt es keine Deutschförderung im laufenden Unterricht. Einmal in der Woche gibt es aber die Möglichkeit, mit einem Lehrer Probleme mit der deutschen Sprache in Bezug auf fachliche Fragen zu besprechen.

In der zweiten Woche meiner Berufsschulzeit hatte ich mich schon ein bisschen an die neue Situation gewöhnt und es war einfacher für mich, weil ich in der Berufsschule einen Mitschüler gefunden habe, der mir geholfen hat.

In der ganzen Zeit habe ich abends nach der Berufsschule jeden Tag zu Hause noch ein paar Stunden Texte übersetzen, Hausaufgaben machen und lernen.

In der dritten Woche musste ich zusätzlich sehr viel für die Klausuren lernen, die wir in der vierten Woche zu jedem Thema geschrieben haben.

Am Ende habe ich meiner ersten Berufsschulmonat geschafft und ich hoffe, beim nächsten Mal wird es noch besser.

Jetzt bin ich bis zum 11.12 wieder bei comm-press im Büro und lerne weiter PHP und MYSQL.

Anderen Flüchtlingen, die eine Ausbildung oder ein Studium beginnen wollen, möchte ich hier gerne ein paar Tipps geben:

  • Es ist sehr wichtig für euch, möglichst gute Deutschkenntnisse zu haben.
  • Traut euch Deutsch zu sprechen – auch wenn ihr Fehler macht.
  • Es hilft euch, viele deutsche Bekannte zu haben und mit denen ganz viel Deutsch zu sprechen.
  • Habt Geduld – auch wenn die Situation schwierig ist – es wird irgendwann besser.

Und ich habe noch einen wichtigen Tipp für euch: Lest & hört Deutsch! Seit letzter Woche bin ich Mitglied in der Öffentlichen Bücherhalle in Hamburg. Damit kann ich überall in der Stadt in die Bücherhalle gehen und etwas ausleihen. Dort gibt es Fachbücher und Unterhaltungsliteratur, aber auch Zeitschriften, Filme und CDs.

Die Drei ??? – Lesen und Hören – eine gute Möglichkeit für mich mein Deutsch zu verbessern.

Als erstes habe ich mir drei Bücher von den Drei ??? ausgeliehen. Das sind spannende Krimis, die eher für Jugendliche geschrieben wurden. Sie sind trotzdem interessant und es ist gut, dass die Sprache nicht zu kompliziert ist, denn das macht es einfacher, sie zu lesen. Dazu habe ich mir die entsprechenden Hörbücher besorgt, damit ich die Krimis auf deutsch lesen und hören kann – das hilft mir, die Sprache besser zu lernen.

Ich bin froh, dass mein Chef und meine Kollegen sehr nett und geduldig sind und meine Situation verstehen. Sie sprechen viel mit mir und unterstützen mich dabei, eine Lösung für meine Probleme zu finden.

Am Ende möchte ich all denen bei comm-press und in meinem privaten Umfeld danken, die mich sehr unterstützen und mir viel geholfen haben.

Abdul Rahman Shaddad

Den ersten Teil der Artikelserie finden Sie hier: Angekommen - Abdul Rahman Shaddad