In der FH Technikum Wien fand gestern das Community-Summit statt, auf dem es – neben anderen Arbeitsgruppen – auch eine Gruppe zum Thema der zukünftigen DrupalCons in Europa gab. Das Thema war auch heute Gegenstand zweier BOFs.

Zuvor fand am Wochenende bereits ein Workshop mit der Drupal Association statt, von dem ich leider zu spät erfahren habe. Ich bin erst am Sonntag in Wien eingetroffen. Paul Johnson hat die Gespräche der beiden Tage hier und hier zusammen gefasst.

Der Community-Summit vom Montag

Der Community-Summit war gut besucht. An fünf Schreibtisch-Inseln wurde an verschiednen Themen gearbeitet, die anschließend im Plenum präsentiert wurden.
Der Community-Summit war gut besucht. An fünf Schreibtisch-Inseln wurde an verschiednen Themen gearbeitet, die anschließend im Plenum präsentiert wurden.

Auf dem Summit gab es Zahlen zu den Budgets und Teilnehmerzahlen aller Camps in Europa. Aus den Daten lässt sich ablesen, dass es eine Komfortzone gibt, innerhalb der alle Events stattfinden:

  • Es gab 50 Events in Europa. Das bedeutet, dass im Prinzip an jedem Wochenende des Jahres irgendwo in Europa ein Camp stattgefunden hat.
  • Praktisch alle europäischen Camps spielen sich im Segment bis 500 Teilnehmer und 60.000 EUR Budget ab.
  • An allen Events haben insgesamt rund 4.700 Drupaler teilgenommen. Davon werden eine Menge Besucher an mehreren Camps teilgenommen haben. Leider gibt es derzeit noch keine Zahlen darüber, wie viele eindeutige Besucher es gab.

Argumente aus den beiden BOFs

Die vielen – zum Teil auch gegensätzlichen – Ansätze müssen in Ruhe überdacht und ausgewertet werden, bevor klar wird, wo die Reise mit den europäischen DrupalCons hingehen soll.
Die vielen – zum Teil auch gegensätzlichen – Ansätze müssen in Ruhe überdacht und ausgewertet werden, bevor klar wird, wo die Reise mit den europäischen DrupalCons hingehen soll.

Auf den beiden BOFs haben jeweils rund 20-25 Personen teilgenommen – vorzugsweise Agenturinhaber. Aufgrund verschiedener Standpunkte wurden auch gegensätzliche Argumente vorgetragen:

  • Die DrupalCon ist eine starke Marke. Es wäre schädlich für die Marke, wenn 2018 in Europa keine DrupalCon stattfinden würde.
  • Als DrupalCon brauchen wir ein Event, dass potentiellen Kunden Mehrwert bietet. Kunden möchten Lösungen für ihre Herausforderungen präsentiert bekommen und sie möchten sehen, was der Wettbewerb unternimmt.
  • Wien ist teuer. Kosten könnten gespart werden, indem die Con an preisgünstigeren Orten – vornehmlich in Südeuropa – stattfinden würde.
  • Die DrupalCon ist ein Event, an dem die gesamte Community – Entwickler, Marketer und Entscheider – zusammenkommt.
  • Wegen der hohen Ticketpreise ist die DrupalCon für Entwickler zu teuer.
  • Für Entwickler sind andere Events, wie z.B. die Drupal Dev Days oder Frontend United, attraktiver.
  • Die vielen Camps und Events in Europa stellen eine Konkurrenz zur DrupalCon dar. Einige Sessions sind zum Teil schon auf anderen Camps gehalten worden. Entwickler werden müde, auch noch an der Con teilzunehmen.
  • Entwickler- und Marketing-Events sollen getrennt werden. Für Entwickler gibt es bereits hochkarätige Events, die weiter ausgebaut werden können. Die Marke DrupalCon soll potentielle Kunden adressieren.
  • Neben lokalen Marketing-Veranstaltungen wie den Splash-Awards oder den Drupal Business Days brauchen wir ein führendes Marketing-Event in Europa, von dem sich große Player angezogen fühlen.
  • Agenturen haben derzeit wenig Anreize, die Con zu sponsoren. Wenn die als Zielgruppe potentielle Kunden erreicht werden, wird das Sponsoring wieder attraktiver

Meine eigene Wahrnehmung

Betreffend der Zukunft der europäischen DrupalCons befinden wir uns derzeit noch einem Entscheidungsprozess. Derzeit gibt es noch keine klaren Antworten.
Betreffend der Zukunft der europäischen DrupalCons befinden wir uns derzeit noch einem Entscheidungsprozess. Derzeit gibt es noch keine klaren Antworten.

Einige der vorgetragenen Argumente sind gegensätzlich und unvereinbar. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass sich die DrupalCon in Europa neu erfinden muss, um für potentielle Kunden attraktiv zu sein. Das ist meines Erachtens nicht damit vereinbar, dass die DrupalCon der Ort bleibt, an dem die gesamte Community zusammenkommt.

Wenn es das Ziel ist, Kunden außerhalb des bestehenden Ökosystems Drupal zu erreichen, hilft es nicht, die Kosten um jeden Preis zu reduzieren. Stattdessen wäre eher zu überlegen, in dieses Ziel mit der Erwartung zu investieren, dass sich das Engagement am Ende des Tages auszahlt.

Bei den Diskussionen gab es keine klaren Ergebnisse. Wir befinden uns in einem Prozess, innerhalb dem weiterhin Gesprächsbedarf besteht. Die Entscheidung, dass in Europa nächstes Jahr keine DrupalCon stattfinden wird, steht weitgehend fest: Sofern nicht eine lokale Community die Association mit einem belastbaren Konzept überzeugt, wird es im kommenden Jahr keine Con geben.

Die Zeit bis 2019 sollten wir nutzen, um unsere Erwartungen und Möglichkeiten zu sondieren. Die Drupal Association habe ich als sehr offen und Willens erlebt, uns bei unseren Vorhaben zu unterstützen.

Ein einfaches Gedankenspiel zeigt m.E. auf, dass nicht alles nur eine Frage von Geld ist: Wenn jeder der rund 25 Agentur-Inhaber der heutigen BOF 5.000 EUR in einen Topf eingezahlt hätte, würde zwar nächstes Jahr wieder eine DrupalCon in Europa stattfinden. Die Probleme der Attraktivität für die Zielgruppe wären dadurch jedoch nicht gelöst.