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agile Softwareentwicklung . Vorstellung der agilen Projektmanagement-Praxis von Jimdo auf der Kanban Usergroup

von Ralf Hendel
am

Gestern hat sich wieder die Hamburger Kanban Usergroup im Betahaus getroffen. Soenke Ruempler und Fridtjof Detzner haben dort ihre agilen Prozesse bei Jimdo vorgestellt.

Jimdo ist ein Hamburger Unternehmen, welches ein eigenes CMS seit rund 10 Jahren erfolgreich entwickelt und als Produkt vermarktet. Im Lauf der letzen beiden Jahre ist das Unternehmen rasant auf derzeit knapp 100 Mitarbeiter in vier Ländern gewachsen. Insbesondere die Mitarbeiter-Verdopplung im letzten Jahr hat die Einführung strukturierter Prozesse erforderlich gemacht.

Nothing else but agile

Jimdo organisiert sämtliche interne Prozesse über Kanban. Nicht nur die Entwicklung, auch das Marketing und alle anderen Bereiche - Inkasso auch? ;-) - werden agil an Boards organisiert. Im Haus existieren dafür rund acht verschiedene Boards, an denen Tickets auch schon gern board-übergreifend bewegt werden. Inwischen kümmert sich sogar eine Person allein darum, die Boards "schön" zu halten.

Nach anfänglichen Versuchen mit Scrum haben sich die Jungs und Mädels für Kanban entschieden, da Ihnen Kanban flexiblere Methoden ermöglicht. Als einziges elektronisches Tool leistet sich das Unternehmen einen Ticketdrucker, der die Karten direkt aus Track heraus drucken kann. Alles andere findet transparent am Board statt.

Kanban als Meta-Prozess

Der Einsatz von Kanban stellt im Unternehmen quasi einen fortlaufenden Meta-Prozess dar, in dem die eigenen etablierten Prozesse hinterfragt und optimiert werden. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen richtigen Weg erst für sich selbst entdecken. Berater wie die sympathischen Jungs von IT-agile können hier helfen, können die Arbeit aber nicht abnehmen bzw. die Findungs-Prozesse überspringen.

Wichtig ist im Team ein hohes Maß an Disziplin bei der Aufrechterhaltung der internen Kommunikation, die z.B. in Form regelmäßiger (!) Standups zu festen Zeiten und losen Planungs-Meetings stattfindet. Mitarbeiter sollen Entscheidungen treffen und mit tragen. Es gibt viel Raum zum Ausprobieren neuer Methoden, Ideen, Hackathons und Kooperation. Wichtige Erfolge der Firma werden gemeinsam gefeiert.

Der ganze Prozess ist nur möglich in bzw. wird getragen von einer Unternehmenskultur, in der die Mitarbeiter Spaß an ihrer Arbeit haben. In Unternehmen, die sich über Repressionen organisieren, wäre es widersinnig bis völlig suizidal, Mitarbeitern wichtige Entscheidungen zu überlassen. Wenn die Mitarbeiter aber von dem was sie tun begeistert sind, werden sie sich selbst mit ihren Ideen einbringen und konstruktive Entscheidungen im Interesse des großen Ganzen treffen.

Und Fehlentscheidungen werden korrigiert, wenn sie sich als solche erweisen. So einfach ist das...

Scrum vs. Kanban? Die Mischung machts...

Jimdo probierte am zu Beginn den Einsatz von Scrum, hat damit aber keine guten Erfahrungen gemacht. Das kann an den Umständen der Einführung und muss nicht an Scrum selbst liegen.

Eine Festlegung auf Sprints bzw. feste Iterations-Invervalle, an deren Ende ein Rollout steht, kann sich schnell als zu starr erweisen. Sobald Software-Inkremente fertig abgeschlossen und hinreichend getestet ist, möchte man sie in Betrieb nehmen. Wofür will man auf ein Sprintende warten? Der Rollout ist immer auch ein Stück Belohnung für harte Arbeit - deren Früchte möchte man gern sofort ernten.

Im Endeffekt findet man in der Unternehmens-Wirklichkeit wohl ebensowenig reine Scrum-Methoden wie reine Kanban-Praktiken.

Der offene Einblick in die Organisation von Jimdo war für uns enorm spannend, da wir selber auch schauen, wie wir unsere agilen Prozesse weiter verbessern können. Ich empfand es als beruhigend, dass Jimdo genau wie wir auf ein Time-Tracking der einzelnen Tickets verzichtet. Dort wie hier verlassen wir uns auf unser Bauchgefühl, was die Produktivität im Team angeht, und ver(sch)wenden keine Zeit auf die Zeitmessung.

Es kommt vielmehr darauf an, dass das Team untereinander kooperiert und gemeinsam den besten Weg sucht, die Dinge umsetzen.