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Erfahrungen CommerceCamp Luzern . Warenkorb war gestern: Eindruck vom Drupal Commerce Camp Luzern

von Ralf Hendel
am

Vom 02. bis 04.09.2011 fand in Luzern in der Schweiz das erste Commerce Camp statt, ein Drupal Camp, das ganz im Zeichen des neuen Drupal Commerce Systems stand.

Nach dem wechselhaften Londoner Schietwetter war das Luzerner Klima wahres Balsam für Körper und Seele. Wir hatten uns extra warme Klamotten mitgebracht und waren bei unserer Ankunft baff erstaunt, dass hier alle in kurzen Hosen herum liefen. Hier gibt es noch Sommer! Feigenbäume in Gärten! Und Berge!!

Für einen kurzen Moment habe ich mit der Versuchung gekämpft, das Camp Camp sein zu lassen und statt dessen lieber eine schöne Bergtour auf den Pilatus zu machen, der hier als Zweitausender hinter unserem Hotel aufragt. Aber wir sind ja schließlich wegen des Commerce Camps hier; also ab zur Hochschule und rein in die Sessions.

Freitag – Start mit einem Business Day

Der erste Tag war als Business Day angelegt und richtete sich eher an Entscheider. Es gab zwei Einführungen und anschließend wurden sechs unterschiedliche Case-Studies vorgestellt. Im Überblick über die E-Commerce Landschaft war für mich neu zu hören, dass Wordpress inzwischen über acht verschiedene E-Commerce Module verfügt. Wordpress hatte ich beim Thema E-Commerce eher gar nicht auf dem Schirm...

Beim Thema Online-Payment Konzepte berichtete Prodosh Banerjee von einem interessanten Zahlungssystem, das in Russland eingesetzt wird. Aus Sorge vor Betrügereien wollen einige Nutzer vermeiden ihre Kreditkarte einzusetzen. Der Shop erzeugt einen Barcode auf der Rechnung, der in Supermärkten eingelesen und dort beglichen werden kann. Die Supermärkte führen die Beträge dann dem Anbieter zu. Auf diesem Wege dauert die Zahlung dann etwas länger, funktioniert aber auch.

Ich finde es aber spannend, dass auch solch vermeintlich exotischen Konzepte umgesetzt werden. Es zeigt mir, dass wir auch im Bereich vermeintlich etablierter Prozesse aufmerksam und offen für neue Konzepte bleiben sollten. Offenbar existiert noch eine Menge Raum für kreative Ansätze.

Wochende – Das Commerce Camp

Am Wochenende fand das eigentliche Camp mit einem dreistündigen Training und diversen Sessions zu Spezialthemen wie Multi-Währungssystemen, Mehrwertsteuer Behandlung und etlichem mehr statt.

Bei Drupal-Commerce sollte man nicht mehr nur an online-Einkaufswagen denken, sondern digitale Wertschöpfungsprozesse jeglicher Art im Blick haben. Durch Verwendung von Entitys dockt sich das neue Drupal Commerce Modul noch enger an Drupal an und nutzt damit die Verbesserungen, die Drupal 7 bietet.

Drupal Commerce unterstützt nun Geschäftsprozesse aller Art wie z.B. dem Einwerben von Spenden, der Auswertung "intelligenter" Formulare, Bereitstellung kostenpflichtiger Mitgliedschaften, "Freemium"-Services und vielem mehr.

Produkte, Displays und Line-Items

Die erste große Veränderung, die man bei Drupal Commerce fest stellt, ist die Aufteilung von Produkten und Displays.

Produkte sind Entitys, in denen die typischen Informationen eines Warenwirtschaftssystems wie der SKU (der eindeutigen Artikelnummer), Bestand, Preis und den Attributen wie Größe und Farbe hinterlegt werden.

Displays sind Nodes, die die werblichen Teile beinhalten, mit denen sich die Produkte auf der Seite präsentieren. Verschiedene Produkte lassen sich einem gemeinsamen Display zuweisen. Am Beispiel eines T-Shirt Shops verwende ich ein Display, welches das T-Shirt darstellt. Drupal stellt dann automatisch die entsprechenden Auswahl-Widgets zur Verfügung, mit denen Besucher Ihr T-Shirt in der gewünschten Farb- und Größen-Kombination wählen können.

Zum Erstellen der Farbe-Größe Permutationen zu einem Produkt gibt es das Modul "Bulk Produkts Manager", das die entsprechenden Entitys erzeugt. Ebenso gibt es den "Product Display Manager", der bei der Verbindung von Produkten und Displays hilft.

Während des Bestellvorgangs werden die vom Kunden bestellten Artikel in sogenannten "Line-Items" gespeichert, die ihre eigenen Preisinformationen mit speichern. So lassen nachträglich über Rules, Module oder was auch immer jederzeit die Preis neuberechnen und manipulieren. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Steuersätze, rollenbasierte Rabatte, tagesabhängige Preise etc. implementieren.

Die technischen Möglichkeiten dieses Konzepts finde ich ziemlich abgefahren: wenn man sich z.B. wegen schwankender Wechselkurse in Multi-Währungssystemen offen halten möchte, zu welchem Zeitpunkt man in welcher Währung abrechnet, kann man in den Line-Items sogar mehrere Preisfelder verwenden und beide Währungen speichern.

Für die initiale Einrichtung eines Shops ist Kickstart, eines der drei bestehenden Shop-Installationsprofile von den Commerce-Guys, zu empfehlen. In diesem Profil sind bereits viele Module enthalten und ein paar Produkte sind vorkonfiguriert.

In der gegenwärtigen Landschaft der contributed commerce-Module finden sich schon viele – aber noch nicht alle – Module von UberCart portiert. Bei einer heutigen Einrichtung eines neuen Shops mit einigermaßen komplexem Anforderungsprofil sollte also etwas Aufwand für die Portierung einiger Module mit eingeplant werden.

Luzern – Das Geheimtipp-Camp

Florian Klare hat sich über das erste Camp gefreut, bei dem es mehr Sponsoren als Teilnehmer gab.

Trotz der kostenlosen Trainings war das Commerce Camp mit ca. 80 Teilnehmern nur schwach besucht. Das mag an den hohen Preisen in der Schweiz gelegen haben – ein Big Mac kostet 12,- CHF bei Mc Donalds – , oder daran, dass just eine Woche vorher in London die DrupalCon statt gefunden hat. Vielleicht hat es sich auch erst zu spät herum gesprochen, dass die Teilnahmegebühr von 100 Schweizer Franken von den Sponsoren übernommen wurde. Alle vorangemeldeten Teilnehmer haben Ihren Beitrag erstattet bekommen.

Samstag abend fand dank der Sponsoren noch eine Party in einem lauschigen Restaurant direkt am Vierwaldstädter See mit all-inclusive Bewirtung statt. Ein Unterhaltungsprogramm war gar nicht notwendig. Es war eine gute Idee, den Teilnehmern einfach einen Raum mit Bewirtung anzubieten, in dem sie sich zwanglos treffen und miteinander reden konnten.

Auf der Terasse hat Jam abends noch sein Alphorn heraus geholt und spontan ein Konzert gegeben. Die tiefen Bässe schienen sogar die Schiffe in der Umgebung anzuziehen ;-) Es war beeindruckend und alle hatten viel Spaß! Selbst das Gewitter konnte der Stimmung nichts ausmachen.

Mit den interessanten Sessions und Teilnehmern war das Camp insofern so etwas wie ein Geheimtipp. Ich habe gehört, dass sich die Sponsoren trotz der geringen Beteiligung über intensive Kontakte und Gespräche an ihren Ständen gefreut haben. So hatten sie die Gelegenheit ohne Zeitdruck optimal auf die Teilnehmer eingehen zu können.

Vielen Dank an Miro, Micha und Jos, die Ihr das Camp organisiert habt!

Ihr habt ein tolles Event auf die Beine gestellt und wir sind gespannt auf die Wiederholung dieses Formats im nächsten Jahr

Alle, die nicht hier waren, haben eine Menge verpasst!