Ein Boot-Camp in Kroatien: Unser Unternehmen ist fünfzehn Jahre alt geworden. Wir haben das Jubiläum zum Anlass genommen eine Auszeit zu nehmen und intensiv über uns nachzudenken. Über die Vergangenheit von comm-press habe ich mit Ralf Hendel ein kurzes Interview geführt:

Seit wann gibt es comm-press?
„Die Firma wurde im Jahr 2002 gegründet – bzw. aus einer Mantelgesellschaft umfirmiert – damals kannte ich weder comm-press noch ihren damaligen Geschäftsführer.“

Wann bist Du zu comm-press gestoßen?
„Meine Geschichte mit comm-press begann im Jahr 2004, als ich mit meinem damaligen Kollegen für die comm-press ein Kundenprojekt umgesetzt habe. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die dazu führte, dass wir 2006 Unternehmensanteile übernommen haben und in die Geschäftsführung eingetreten sind.“

Wie hat sich die Firma seit dem entwickelt?
„Nachdem der Gründer Ende 2009 das Unternehmen verlassen hat, sind wir Anfang 2010 lustigerweise von der Poststraße in die Altonaer Poststraße umgezogen. Hier beginnt die Geschichte der neuen comm-press: Fokussiert auf Drupal, Open Source und die Community.

Im Jahr 2014 gab es eine weitere Zäsur, nachdem mein Partner das Unternehmen in einer Krise verlassen hat. Diese Krise hat einen Veränderungsprozess ausgelöst, der zu einer weiteren Demokratisierung und Selbstorganisation des Teams geführt hat.

Anlässlich unseres fünfzehnjährigen Bestehens haben wir uns zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung entschlossen: Wir haben dieses Jubiläum zum Anlass für ein Boot-Camp in Kroatien genommen. Eine gemeinschaftliche Auszeit zu nehmen, auf ein Schiff zu steigen und ein paar Tage lang an der wunderschönen Küste Kroatiens zu kreuzen und intensiv über uns nachzudenken.“

„MS Mirabella"
„MS Mirabella"

Das Boot-Camp in Kroatien

Gewimmel auf dem Hamburger Flughafen. Dort vorne stehen die Kollegen. Check-In, traumhafter Flug über die spätabendlich leuchtenden Alpen, Touch down in Split.

Die komfortable „MS Mirabella“ hat schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Wir verteilen uns auf ihre 13 Kabinen, die erste Nacht ist kurz - die Altstadt von Split wird erkundet und zwei oder drei nette Bars geentert.

Unsere Kreuzfahrt beginnt am nächsten Morgen. Die Liegestühle auf dem Sonnendeck werden im Kreis aufgestellt, der eine oder andere läuft noch einmal zurück in die Kabine, um Sonnencreme und kurze Hose zu holen. Die Mirabella legt ab und Lars Wilcken – der Coach, der uns bei unserem Vier-Tage-Tripp durch die kroatische Küste und unserer Selbstbestimmung begleiten wird – beginnt den Workshop.

Boot-Camp in Kroatien - Coach Lars Wilcken
Boot-Camp in Kroatien - Coach Lars Wilcken

Quo vadis, comm-press? - Unsere Leitfragen für das Boot-Camp in Kroatien

Nach 15 Jahren stellen sich comm-press und seiner aktuellen Crew grundsätzliche Fragen:

Wofür stehen wir?
Wie wollen wir miteinander umgehen?
Wie wollen wir extern kommunizieren und wahrgenommen werden?
Wer ist unsere Zielgruppe und wie erreichen wir sie?

Die komplexen Fragen werden unterschiedlich bearbeitet. Mal in der großen Runde auf dem Sonnendeck, mal in Gruppen zu dritt oder viert verteilt auf dem ganzen Boot: Auf dem Vorschiff, der Messe oder im windgeschützten Heck. Immer dabei sind Chartboard, viele bunte Karten und Stifte, mit denen gefundene Antworten oder sich neu ergebende Fragestellungen notiert und zusammengetragen werden. Als ein wichtiges Utensil erweist sich das Klebeband, denn am Abend frischt es stets auf und Böen zerren an unseren Zettelsammlungen, die sich auch auf diese Weise als „wind- und wetterfest“ erweisen müssen.

Workshop auf dem Sonnendeck
Workshop auf dem Sonnendeck

Den Schwerpunkt unserer Standortbestimmung und Werte-Exkursion stellt die Frage „Wofür stehen Wir?” dar. Sie ist Dreh- und Angelpunkt in der Reflexion Wir über Uns. Aus der Antwort soll ein Bild entstehen, eine gemeinschaftliche Vision von der Firma, für die wir arbeiten. Nicht leicht – vierzehn Köpfe, dreizehn unterschiedliche Ideen plus einem Geschäftsführer, der ebenfalls seine ganz eigenen Vorstellungen hat, in eine gemeinschaftliche Idee zusammen zuführen.

Einfach ist es also nicht. Da wir uns aber auf einem Schiff zusammengefunden haben, lag die passende Metapher nah: Das Boot. Das weckt Assoziationen. Ja! Der Film kommt einem dabei recht schnell in den Sinn – ist hier aber explizit nicht gemeint … ;-)
comm-press als ein Boot zu begreifen – und uns als Crew mit ganz unterschiedlichen individuellen Aufgaben – das war ein hilfreiches Vehikel dieses Bild zu entwerfen.

comm-press als Boot
comm-press als Boot

Lautet am ersten Tag das Resümee unter anderem: „Wir sind viel zu nett“ – also eine Aufforderung, mehr Klartext zu reden – werden die Diskussionen in den nächsten Tagen kontroverser. Wir kommen aber nicht darum herum zuzugeben, dass die wunderbare Kulisse der kroatischen Küste uns insgesamt zu einem harmonischeren Miteinander geführt hat. Zu Hause, im etwas raueren Klima Norddeutschlands, gehen wir schon etwas tougher miteinander um.

Das Boot-Camp hat uns einen Eindruck auf die Frage: „Wie wollen wir miteinander umgehen?“ erleben lassen. Ein wesentlicher Satz ist gefallen, den wir mit nach Hamburg genommen haben:
„Wer Schmetterlinge will, darf nicht auf Raupen treten.”

Was wir darunter verstehen: Neue Ideen, Ansätze, erste Gedanken und Vorschläge sind selten ausgereift. Sie benötigen Zeit zu wachsen. Schnell bei der Hand sind all die „Wenn“ und „Aber“. Gegenargumente lassen sich in der Regel fix finden, wenn es darum geht die ausgetretenen, wohlvertrauten Pfade zu verlassen und sich auf neue Wege zu begeben, die erst erkundet werden müssen.

Technologie, Consulting, Projektmanagement …, gerade in unserem Umfeld ist „die Neugierde auf das Neue” Motor der Innovation. Im Projektmanagement sind wir mit unserem agilen Vorgehen, in unserem Falle Scrum, schon recht weit voran geschritten. Mut und Durchhaltevermögen waren existenziell, um so weit zu kommen. Wir sind noch lange nicht am Ende des Weges. Aber ohne darauf zu vertrauen, dass aus dieser Raupe ein Schmetterling werden kann, hätten wir es nicht dorthin gebracht, wo wir jetzt sind.

Die "Scrum"-Karte auf der agilen Schiffswand
Die "Scrum"-Karte auf der agilen Schiffswand

Das Neue, Unbekannte fällt am Anfang immer schwer, es musste Überzeugungsarbeit geleistet werden. Nach innen und nach aussen. Auch unsere Kunden haben mit unserer Art des Projektmanagements bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Bereich Consulting arbeiten wir verstärkt mit agilen Methoden. Zum Beispiel sind in unseren initialen Projektworkshops immer alle Mitglieder des Teams und nicht nur der Projektleiter anwesend. Von vorn herein wird so ein gemeinsames Verständnis für das Gesamtprojekt geschaffen, der Projektverlauf lässt sich effektiver gestalten. Stakeholdermanagement fällt hingegen schwerer: Alle wesentlichen Entscheider von Anfang in ein Projekt mit einzubeziehen, das klappt noch nicht immer so, wie wir es uns wünschen.

Basis unseres Projekt-Setups wird mehr und mehr das MVP (Minimum Viable Project/Product), eine Methodik sich in der Projektentwicklung zunächst auf Kernfeatures (Must have) zu konzentrieren und erst in späteren Projektphasen Erweiterungen der Funktionalitäten (Should have und Could have) umzusetzen. So lässt sich ein solides Budgetmanagement sicherstellen.

Das können wir schon ganz gut - aber Luft nach oben ist immer. Vor ca 1,5 Jahren haben wir mit der Neuausrichtung von comm-press begonnen. Scrum, Aufteilung in kleine, feste Teams mit mehr Eigenverantwortlichkeit, Rückzug des Geschäftsführers aus dem Projektmanagement, Beirat... Entscheidungen sind getroffen, Dinge in Bewegung geraten.

Hafen von Postira auf der Insel Brač
Hafen von Postira auf der Insel Brač

Es fiel uns in unserem BootCamp nicht leicht, die Frage „Wie wollen wir extern kommunizieren und wahrgenommen werden?“ zu beantworten. Aussagen wie: „Lösungsorientiert und zielstrebig“, Qualitätsbewußt“, „Wir sagen auch NEIN!“ „technisches Know-How”, „Forscherdrang” und „Ideale vor Profit” sind nicht mal so eben auf einen Nenner zu bringen.

Den Kern haben wir aber identifiziert: Selbstbewusste, partnerschaftliche Kommunikation auf Augenhöhe, lösungsorientierte Beratungsleistungen. Die gewünschten Anforderungen des Kunden auf den Prüfstein stellen, hinterfragen und gegebenenfalls auch von der Umsetzung abraten. So möchten wir von außen wahrgenommen werden: Kompetent und kritisch.

Wir haben uns auf den Weg gemacht und erste positive Erfahrungen gesammelt. Erkenntnisse darüber Was, Wie und Warum etwas schwierig ist, helfen uns, diese Ansätze auch in den anderen Bereichen anzuwenden. Best practice ist gut. Mit unserer reichhaltigen Erfahrung werden wir unsere Kunden auch in Zukunft in ihren Projekten begleiten und sie zusammen mit ihnen erfolgreich umsetzen. Aber wir werden uns darauf auch nicht ausruhen. Wir wollen forschen und lernen, uns weiterentwickeln.
„Her mit dem neuen geilen Scheiß!”



Impressionen vom Boot-Camp in Kroatien

Marcus Maihoff - Frontend
Marcus Maihoff - Frontend

„Mein persönliches Highlight war es am Bug der Mirabelle zu sitzen und in den freien Stunden neben der Arbeit auf das Meer zu blicken und Musik zu hören. Das Ankern und von Bord zu springen, um ein wenig zu plantschen war ebenfalls Balsam für die Seele, sowie die Radtouren und die unglaublich malerischen Orte, die wir durchquerten waren … irre!

Ich könnte noch etliche Momente und Erinnerungen aufzählen. Am besten aber lässt sich dieses Erlebnis wie folgt zusammenfassen: Kroatien, ich komme wieder.”

 

Ralf Hendel - Geschäftsführung
Ralf Hendel - Geschäftsführung

„Nicht zuletzt dank des tollen Wetters hat uns das Boot in Kroatien eine inspirierende Atmosphäre zum Arbeiten geboten. Ich war überrascht zu erkennen, dass unser stärkstes Merkmal die Verschiedenheit unserer Mitarbeiter darstellt. Durch die sehr unterschiedlichen – und häufig nicht geradlinig verlaufenen – Biographien verfügen wir über eine Menge verschiedenster Erfahrungen und Fähigkeiten im Team.

Auf diesen Reichtum können wir in Zukunft weiter bauen. In unseren Scrum-Teams arbeiten derzeit nur Männer. Damit Vielfalt auch weiterhin unsere Stärke bleibt, wünsche ich mir für die vor uns liegende Zeit, dass auch weibliche Kolleginnen zu uns finden werden."

 

Mark Engelhardt - Projektmanagagement
Mark Engelhardt - Projektmanagagement

„Unseren Trip an die kroatische Küste fand ich einfach toll. Die Sonne, das klare Wasser, das Schiff, die Stimmung im Team. Die Kollegen sind immer noch die gleichen, aber ich kenne sie jetzt ein bisschen besser. Es war spannend, unserem Coach bei der Arbeit zu erleben und gemeinsam mit den Kollegen über die Zukunft zu sprechen.

Wir werden nicht alles anders machen als vorher, aber ich freue mich darauf, die Dinge in die Tat umsetzen, für die wir uns auf dem Schiff entschieden haben. Danke an alle für die intensiven Tage und die tolle Erfahrung. Hvala."

 

Lars Bo Jensen - Frontend
Lars Bo Jensen - Frontend

„Ich fand die Zeit in Kroatien wunderschön. Wir waren baden, Fahrradfahren und spazieren und hatten überhaupt viel freie Zeit. Sonnenbrillen und Sonnenmilch waren wieder im Einsatz, obwohl es Herbst war. Mehrere Kollegen haben sich einen leichten Sonnenbrand geholt. Es war schön, die Zeit mit den Kollegen in diesem Setting zu verbringen.

Die Umgebung (der anscheinend ewig blaue Himmel) und wahrscheinlich die Abwesenheit von Störungen haben uns kreativer gemacht, und ich fand es auffällig, wie hartnäckig und tiefgehend wir bei dieser lockeren Atmosphäre die Workshop-Themen durcharbeitet haben. Es war ein sehr produktiver Workshop/Urlaub, der Spuren hinterlassen hat."

 

Mathias Wächter - Backend
Mathias Wächter - Backend

„Kroatien war eines meiner persönlichen Jahres-Highlights. Sonne zu einer Zeit, in der Hamburg keine Sonne mehr zu bieten hat. Temperaturen, die man zu Hause nur noch im Dampfbad erleben kann. Wasser, dass so klar ist wie in der heimischen Badewanne. Besonders schön fand ich den professionellen, als auch persönlichen Austausch mit den Kollegen und das Baden in verlassenen Buchten, während unser Boot vor Anker lag.

Ich bin begeistert und inspiriert von der beeindruckenden Insel-Landschaft Kroatiens und außerdem und vor allem unendlich dankbar, dass wir dort sein durften!"

 

Thorsten Siefert - Projektmanagement
Thorsten Siefert - Projektmanagement

Zusammen mit den Kollegen auf einem Boot vor dieser wunderschönen Küste zu kreuzen, auf dem Sonnendeck konzentriert in unserem Workshop zu arbeiten, dass war für mich ein echtes Erlebnis – Das Boot-Camp in Kroatien: Einfach großartig!

 

Ich arbeite im Augenblick an dem zweiten Teil des Artikels, der in Kürze hier erscheinen wird: Ein Boot-Camp in Kroatien: Was auf uns zukommt.
Stay tuned.

– Thorsten Siefert –

 

 

Für die wunderbare Inspiration: „Wer Schmetterlinge will, darf nicht auf Raupen treten" bedanken wir uns bei Martin Gaedt.