Nach den Gesprächen vom Vortag fand gestern eine weitere BOF ("Birds of a feather") zur Zukunft der DrupalCon in Europa statt, die von Mitgliedern der europäischen Community initiiert wurde, ohne dass Vertreter der Drupal Association anwesend waren.

Die Stimmung der Teilnehmer habe ich zwischen moderat bis krawallig wahrgenommen. Bei vielen Beteiligten herrscht immer noch eine erhebliche Verstimmung über die Absage der DrupalCon durch die Drupal Association vor.

"Let's get this shit fixed"

Während es vorgestern noch so aussah, als wären die Würfel bereits gefallen, war der Tenor gestern weitestgehend einhellig, dass nächstes Jahr um jeden Preis eine DrupalCon – die dann allerdings nicht mehr so heißen wird – stattfinden muss.

Es gab eine lebhafte und streckenweise auch zielführende Diskussion darüber, wie sich solch ein Event puristisch und kostengünstig ausrichten lässt. Diese alternative Con würde sich primär an Entwickler wenden.

Die Erfolg dieser "europäischen DrupalCon" hängt meines Erachtens maßgeblich davon ab, ob es uns gelingt, die Verstimmung der Teilnehmer in Tatendrang zu konvertieren
Die Erfolg dieser "europäischen DrupalCon" hängt meines Erachtens maßgeblich davon ab, ob es uns gelingt, die Verstimmung der Teilnehmer in Tatendrang zu konvertieren

Trotz allem Wohlwollens lassen sich einige Widersprüche nicht übersehen. Zumindest gestern schien sich noch niemand der Frage nach dem Warum stellen zu wollen. Da die Besucherzahlen rückläufig sind, lohnt sich meines Erachtens eine Besinnung auf die Ziele und Zielgruppen einer "redesignten" DrupalCon: Wen wollen wir ansprechen? Was definieren wir als Erfolg der Veranstaltung?

Ich hatte den Eindruck, dass den Teilnehmern ein trotziges Nach-Vorn-Preschen gestern noch näher lag als die Beschäftigung mit solcherart quälender Fragen. Ein Mangel an Konzept wurde durch ein optimistisches "Let's get this shit fixed" kompensiert. Der Aktionismus war so groß, dass ich zwischendurch gefragt habe, ob das Event im Zweifel sogar gegen die Drupal Association organisiert werden soll.

Dabei stand die Runde selbstverständlich unter hohem Druck, da das Event – wenn es in der Größenordnung von rund 1.500 Teilnehmern stattfinden soll – auf der Closing-Session der Con angekündigt werden muss. Nur so ist dem Event die Aufmerksamkeit einer großen Menge an Personen sicher. Rechtzeitig vor der Abschlusszeremonie muss also das Kunststück vollbracht werden, der Drupal Association ein "tragfähiges Versprechen auf ein Konzept" vorzulegen, dass die Verantwortlichen so weit überzeugt, es auf der Bühne anzumoderieren. Mehr ist innerhalb so kurzer Zeit beim besten Willen nicht zu erwarten. Das ganze ist also ein ziemlicher Drahtseilakt.

Die Perspektive einer europäischen Drupal-Association

Aus Gesprächen mit Vertretern der Drupal Association weiß ich, dass diese der Idee einer europäischen Drupal-Association nicht nur aufgeschlossen gegenüber stehen, sondern diese sogar begrüßen würden. Wichtig ist dabei jedoch, dass sich die Europäische Association nicht als Konkurrenz zur Dach-Association versteht und dass die Standards und Werte der Dachorganisation auch für den Europäischen Ableger gelten.

Auch wenn ich die Art und Weise der Planung durchaus kritisch beobachte, erkenne ich in dem Plan durchaus Chancen für alle Beteiligten:

  • Die Europäische Community kann beweisen, dass sie imstande ist, ein Event – sei es auch mit geringerem Kostenrahmen – aus eigener Kraft auf die Beine zu stellen.
  • Parallel dazu kann in Ruhe eine Organisation gegründet werden, die in Zukunft die Europäischen DrupalCons organisiert und finanziert.

Wichtig ist jedoch, dass es uns gelingt, die Verärgerung in Tatendrang zu konvertieren. Die Organisation und Durchführung solcher Events sowie die Gründung eines Europäischen Ablegers sehe ich nur im Zusammenspiel mit der Drupal Association. Für eine Abspaltung gegen die Association gibt es aus meiner Sicht keinen vernünftigen Grund. Solch ein Szenario würde mich an den DrupalFork "Backdrop" erinnern, dessen Mitglieder nach anfänglicher Aufregung meiner Wahrnehmung nach erfreulicherweise wieder nach und nach in die allgemeine Drupal-Community zurückfallen.

Drupal Marketing in Europa

Der gegenwärtige Aktionismus um die DrupalCon einerseits verschafft uns andererseits die notwendige Ruhe um an unserer Außenwahrnehmung zu arbeiten: Für die dringend benötigten Marketing-Aktivitäten für Drupal in Europa gibt es vielversprechende Impulse:

  • In Deutschland wird in Kürze der Verein "Drupal Agenturen" gegründet, der sich um die Akquisition neuer Geschäftskunden für Agenturen kümmert. Zur Kommunikation mit dem bestehenden Drupal e.V. wird ein Vorstandsmitglied des Drupal-Vereins im Beirat sitzen.
  • Auf Europäischer Ebene ist die "Drupal Business Alliance" in Gründung, die sich in Zukunft um die Durchführung von Events wie die Drupal Business Days kümmern wird.
  • Für die Splash-Awards wird es in Zukunft eine Art Champions-League geben: Im kommenden Jahr werden in mehreren Ländern nationale Splash-Awards verliehen. Die Preisträger werden anschließend in einem europaweiten Wettbewerb noch einmal aufeinander treffen, um unter sich die letztendlichen Gewinner zu ermitteln. Dies wird Drupal sicherlich eine Menge Aufmerksamkeit im Enterprise-Segment verleihen

Um 12:00 Uhr wird heute eine weitere BOF zu dem Thema stattfinden. Auf das Ergebnis und auf die Frage, was heute auf der Abschluss-Zeremonie verkündet werden wird, bin ich enorm gespannt!